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i.asimovs foundation trilogie: buch 2 teil 1, der general, interpretiert von psychodoc

Posted in buchinterpretationen on Juli 28th, 2018

Isaac Asimov/ Asimov auf Planet Wiki/ die Psychohistoriker, c Bastei Lübbe 2000, TB Ausgabe Band 28 322, 1.Auflage/ Asimovs berühmte Fountation-Trilogie in einem Band/ Lübbe Reihe: Bibliothek der phantastischen Literatur, Herausgeber Stefan Bauer/ Interpretation Buch eins: die Stiftung/ unten interpretiert Buch 2 Teil 1: Stiftung und Imperium- der General, S. 95/ folgt Buch 2  Teil 2- der Mutant/ Buch drei: die Zweite Stiftung- Teil 1 und Teil 2/ Titel der amerikanischen Originalausgabe: Foundation, Foundation and Empire, Second Foundation/ ins Deutsche übertragen von Barbara Heidkamp/ ganze Trilogie hardfax S.887

  

BestSeller- auf dem Soft SF Teller

Der Fortgang der Geschichte. Und wie Hari Seldons mathematische Berechnungen  auf Grund der Psychohystorik zu 94% mit Erfolg behaftet sind.

Buch II der Trilogie, Stiftung und Imperium, Teil I: Der General

Jahrhunderte sind vergangen. Hari Seldons Psychohistorie und die damit verbundene Stiftung haben drei Krisen überlebt. Noch existiert das Imperium und Trantor ist der Sitz des Kaisers. Sein Name: Cleon II. Wie es jedoch prophezeit wurde, ist in Teilen der Galaxis Anarchie ausgebrochen. Die Stiftung, mit Sitz auf Terminus, hat überlebt, weil sie durch ihre Arbeit an der Enzyclopedia Galactica, das Wissen eines ganzen Imperiums aufgezeichnet hat. Ingenieure, die sogenannten Tech-Leute, haben dieses Wissen verfeinert. So erlangte die Stiftung eine Vorrangstellung, vor allem in der Atomtechnik. Geschickt haben die Führer der Stiftung Invasionsabsichten ihrer nächsten Nachbarn abgewehrt. Immer haben ihre Händler als Agenten gedient. Diesmal ist es Lathan Devers. Er soll die Stiftung mit Informationen beliefern.

Dies blieb auch dem Imperium nicht verborgen. Ein General des Kaisers, Bel Riose, fasst den Entschluss, Terminus endgültig einzunehmen. Er macht sich auf nach Siwenna um etwas über die Zauberer, wie die Stiftungsleute auch genannt werden, herauszufinden. Mit ihm im Bunde ist der persönliche Berater des Kaisers, Brodrig. Das Ende für die Stiftung scheint gekommen. Zu mächtig ist des Generals Flotte. Auf ein weiteres jedoch werden die Berechnungen Seldons, die er hunderte von Jahren zuvor erstellte, bestätigt. Bel Riose und Brodrig würden, wenn sie erfolgreich wären, dem Kaiser vielleicht selbst den Krieg erklären. Sie werden darum von ihm persönlich zurückbeordert und exekutiert. Die Stiftung hat eine weitere Krise überlebt. Die Berechnungen Seldons zu 94% einen Volltreffer gelandet.

psychodoc

zur besprechung der trilogie: hier lang

 

 

pilger jack`s interpretation von z.greys schatten auf der fährte

Posted in buchinterpretationen on Juli 27th, 2018

Zane Grey/ Wikigrey/ Zane Grey bei Bücherwiki/ Western Classics c Heyne Verlag München 1970/ Titel der amerikanischen Ausgabe: Shadow on the trail/ Deutsche Übersetzung von Dr.Hansheinz Werner/ Softfax S.190

   

 

Grünrücken und Zedernweide

In den Sommermonaten ist die Herkunft und der Gehalt eines Buches nicht so sehr entscheidend. Entscheidend ist aber die Stimmung in einem Moment. Und es ist bestenfalls eine Randnotiz wert, ob die Lektüre einen  bekannten Autor als Urheber hat. Viel entscheidender ist, dass man eine passende Lektüre zur Hand hat und dass sie auf Anhieb den Sommerabend zu einer warmen Lesestube verzaubert. So stammt die vorliegende Geschichte nicht aus dem Sortiment eines angesagten Buchhändlers. Sie stammt aus einem der letzten grossen Bucharchive der Zeit, der guten alten Brockenstube. Es ist eine Story aus der Zeit der Siedlungsgeschichte der Vereinigten Staaten. Die letzten freien Büffelherden preschen vor die Mündungsfeuer gewissenloser Weisser. Revolverhelden treten in die Dienste von Rinderkönigen. Viehdiebe werden in Arizona ohne Verhandlung gehängt.-

Zane Grey, der 1939 gestorbene US Westernschriftsteller, braucht für seine Geschichten keinen aktuellen Neudruck. Wade Holden, der Protagonist, keinen umgestalteten Plot um den Colt schneller aus dem Leder zu bringen.

 

Mercer, Texas. Simm Bell und seine Bande wagen einen letzten Banküberfall. In Smokey Hollow, ihrem Bandenversteck, lagern bereits Grünrücken und Münzen für 30`000 Dollars. Wade rät seinem Boss vom Überfall auf die Bank in Mercer ab. Auch weil ein Verräter in den eigenen Reihen vermutet wird. Der Coup missglückt. Simm Bell wird angeschossen. Im Sterben verrät er Wade ein Geheimnis und bittet ihn auf den geraden Weg zurückzukehren. Die Bande ist versprengt, Wade gelingt die Flucht. Ihm auf den Fersen sind die Bluthunde von Texas Rangern. Allen voran Mahaffey, den man Falkenauge nennt.  Ein Mädchen eines Siedlertrecks hält ihn vorerst vor den Augen der Ranger verborgen. Wade reitet seiner Vergangenheit davon, will westlich des Pecos in Arizona ein neues Leben beginnen. Viehdiebe, Büffeljäger, Trapper und Weidenreiter kreuzen seinen Weg. Sie können ihn nicht stoppen. Auf der Zedernranch nimmt er dann die Stellung als Vormann an. Er trifft auf alte Bekannte. Räumt mit dem Rinderkönig auf und vertreibt die Viehdiebe. Grund zum Bleiben hat er. Das Mädchen, das ihm einst die Flucht ermöglichte, ist die Tochter seines Boss`. So bleibt nur noch eins. Der Schatten auf seiner Fährte. Durch seine Vergangenheit als Desperado. Fügung oder Schicksal, es lag nicht in der Macht des Revolverhelden Wade, den Schatten loszuwerden.

Eine Westerngeschichte! Genau das richtige für Tage ohne bezahlte Arbeit. Rausgehen. Wind spüren. Von der Technik unberührte Landschaften sehen. Lesen von einer längst vergangenen Zeit. In eine Umgebung vor totaler Motorisierung eintauchen. Einen Helden erleben, der eine Fähigkeit zur Bestleistung trieb. Eine Romance in wilder, fremder Welt teilen. Einen Desperado und sein Wille zur Veränderung begleiten. Wade, den Revolverhelden, der einst schoss um zu schnellem Reichtum zu gelangen. Seinen Colt nun zieht um das Unrecht auf der Zedernweide in Arizona zu bekämpfen.

Natürlich ist aus heutiger Sicht vieles klischeehaft. Durch eine rosa Brille gesehen. Durch die Brille weisser Siedler. Durch verklärte europäische Abenteuerherzen. Ja, so muss es sein! Jedoch ist es mehr. Es ist der Ausbruch aus der engen Zivilgesellschaft. Die unstillbare Sehnsucht nach Weite, Zeit und letztendlich nach echtem Leben. Dies alles bietet der Plot von Zane Grey, dem ehemaligen Westernschriftsteller. Wade ist auf dunkle Fährte geraten. Er folgt aber jetzt dem Wunsch seines ehemaligen Bandenchefs den Schatten auf seiner Fährte zu beheben. Wade hat es sich zu Herzen genommen. Er schafft einen Neuanfang.

Und so mögen die von Zane Grey abgeschossenen Zeilen nicht so ganz verschwendet sein. Licht kann fallen auf verdunkelte Fährte. Denn bleibt kein Ausweg übrig, so reiten wir mit Wade. Lassen alte Lasten hinter uns und besiegen dunkle Drohgebilde der Vergangenheit mit gutem  Verstand, Wille und einem Funken Hoffnung.

pilger jack

 

i.asimovs foundation trilogie: buch 1 die stiftung interpretiert von psychodoc

Posted in buchinterpretationen on Juni 29th, 2018

Isaac Asimov/ Asimov auf Planet Wiki/ die Psychohistoriker, c Bastei Lübbe 2000, TB Ausgabe Band 28 322, 1.Auflage/ Asimovs berühmte Fountation-Trilogie in einem Band/ Lübbe Reihe: Bibliothek der phantastischen Literatur, Herausgeber Stefan Bauer/ Interpretation Buch eins: die Stiftung/ Buch zwei: Stiftung und Imperium Teil eins und Teil zwei/ Buch drei: die Zweite Stiftung, Teil eins und Teil zwei/ Titel der amerikanischen Originalausgabe: Foundation, Foundation and Empire, Second Foundation/ ins Deutsche übertragen von Barbara Heidkamp / ganze Trilogie hardfax S.887

 

 

Bestseller auf dem Soft SF Teller

Science Fiction Autoren lassen ihre Helden in die Zukunft reisen, oder in interstellaren Welten leben. Lassen sie Abenteuer erleben und Menschheitsfragen lösen oder sie werden Geheimisse zur Rettung der heimischen Erde inne. Im Raum bewegen sie sich mit Methoden, die Wissenschaft mit Fiktion mischen. Dan Simmons entwarf den Farcaster, ein Tor, das den Schritt über grosse Distanzen ermöglicht. Douglas Adams lässt sein Raumschiff mit unendlichem Unwahrscheinlichkeitsdrive  fliegen. Isaac Asimov wiederum lässt seine Akteure mit atombetriebenem Raumschiff durch den Hyperraum springen. Asimov dichtet: „Es handelt sich weder um Raum noch Zeit! Die Galaxis wird  in einem Augenblick durchquert!“ Das Buch, in dem er seine populärwissenschaftlichen Thesen dem breiten Volk präsentiert: Die Foundation – Trilogie, veröffentlicht im Jahr 1951 in erster Version in drei eigenen Ausgaben. Hier nun die Interpretation von Buch eins, die Stiftung!

 

Asimov eröffnet in der Geschichte ein Imperium mit 25 Mio bewohnten Planeten, die von insgesamt 40 Mia Menschen besiedelt sind. Technik basiert auf 12`000 Jahren imperialen Fortschritts und sie macht es möglich, dass kein Planet von der Zivilisation abgeschnitten ist. Alle Regierungsmacht liegt beim Kaiser. Sein Thron steht auf Trantor, im Zentrum des Systems. Die Menschen leben untererdig und die Bewohner fühlen sich wie von einer Metallhaut überzogen. Das Imperium steht am Zenit der Entwicklung, auf dem Höhepunkt seiner Macht.

Ein Team von Wissenschaftlern hat sich zur Aufgabe gemacht, die Zukunft des Imperiums zu erforschen. Allen voran Hari Seldon, den man Raven nennt, den Raben, weil seine Ansagen so schwarz wie das Federvieh selber sind. In 500 Jahren, so Seldon, ist das Imperium untergegangen, gefolgt von einer Zeit der Anarchie die 30`000 Jahre dauert. Seldons Wissenschaft, der er seine Erkenntnisse verdankt, ist die Psychohystorie. Als Faktoren dienen ihm soziale und ökonomische Stimuli. Seine Arbeit ist nicht sehr beliebt und er wird zur Ausprache beim Kaiser zitiert. Seldon will, so erklärt er vor dem Thron, das gesammte Wissen des Imperiums aufzeichnen. Ziel der Arbeit ist, das gesammelte Wissen einzusetzen, um die kommende Anarchie auf tausend Jahre runter zu schrauben. 100`000 Mitarbeiter zählt seine Anhängerschaft. Sie arbeiten an der Enzyklopadie Galactica. Der Kaiser lässt sie gewähren. Stellt ihm sogar zwei Planeten zur Verfügung. Stars End und Terminus, beide am Rande gelegen.

Die Wissenschaftler gründen eine Stiftung und arbeiten auf den zwei Planeten an ihrem Werk. Seldons  psychohystorische Vorhersagen treffen ein. Sie sind nicht aus der Luft gegriffen. Sie sind mathematisch mit zugrundeliegender Formel berechnet. Das Imperium bröckelt, es beginnt an der Peripherie. Die Stiftung auf Terminus, muss sich gegen übermächtige Nachbarplaneten wehren. Aristokratische Familien drängen an die Macht. Das Reich jedoch fällt nicht gleich auseinander, aber es geschieht eine Machtverschiebung.  Auch die Stiftung hat Macht. Jedoch ist sie eine friedliche und durch die Wissenschaft begründet. Der Spruch der Stiftung: „Gewalt ist die letzte Zuflucht des Unfähigen!“ Geschickt wird das Wissen der Atomtechnik eingesetzt, um am Drücker zu bleiben.

Seldon der Psychohistoriker lebt unterdessen nicht mehr. Treu arbeitet jedoch die Stiftung an der ursprünglichen Mission. Satz um Satz werden die Seiten der Enzyklopädie gefüllt. Doch Seldon hatte die Entwicklung des Imperiums bis zum Ende vorausgesehen. Damit verbunden die Stellung der Stiftung. Um zu bestehen muss die Stiftung ihre Ziele ändern. In die Enge getrieben, redet man bald von der Seldon Krise. Sie tritt immer dann ein, wenn die Welt um Terminus brodelt. Entscheidungen müssen getroffen werden, mit denen sich die Führer der Stiftung schwer tun. So verschiebt sich das Machtgefüge auf Terminus. Nacheinander werden Bürgermeister und Händler zu bestimmenden Personen. Und immer geht es darum, Wissen gegen Waffenkraft einzusetzen. Stiftungsmitglieder verwandeln sich von Wissenschaftlern zu einer Art Heiligen. Die Heiligen werden zu Händlern, und irgendwo im Imperium erstarkt die alte Macht des Kaisers.

 

Der Einstieg in Buch eins der Foundation Trilogie ist ein Katapult in eine grosse All-Geschichte. Der Zeitsprung durch den Raum in einen Space Opera Plot. Asimov erzählt von einem interstellaren Imperium. Augen, Gedanken, Gefühle fliegen gleich durch die ersten Seiten. Der Alltag ist vergessen, denn Asimov hat einen Plan zur Rettung des Imperiums. Dass er das kann beweist er damit, dass er mit Arthur C. Clarke und Robert A. Heinlein zu den „Big Three“ der Science Fiction gehört. Zu den Schreibern grosser Weltraumstories. Damit nicht genug. Asimov heimste für die Foundation Trilogie 1966 den Hugo Sonderaward  für den besten Science Fiction Roman aller Zeiten ein. Noch nicht genug. Nach dem guten Doktor, wie er von den Fans auch genannt wird, hat die amerikanische Raumfahrt einen Krater auf dem Planeten Mars benannt. Genug Lob, fett Ehre und ein Buch das als Ganzes dem Umfang der Huldigung gerecht wird. Drei Bücher, 887 Seiten hat Asimov geliefert.

So unterschiedlich die Methoden ausfallen, sich im Weltraum zu bewegen, so differenziert sind die Untergruppen der Science Fiction. Als da ist die Hard Fiction. Eine Story basierend auf möglichst genauer technischer Abhandlung die als Hauptfigur verkauft wird. Bekannter Vertreter ist Jules Verne mit dem Roman von der Erde zum Mond. Die Soft SF. Eine Story, in der technische Möglichkeiten nur noch am Rande interessieren. Ins Zentrum rückt der Mensch und seine Ideologien. Die Story bekommt eine fettere Handlung. Bekannter Vertreter ist Ursula K. Le Guin und ihr Roman „das Wort für Welt ist Wald“.  Die Steampunk-Community. Rückwärtsgerichtete SF. Handlungsraum so um das 19. Jahrhundert. Kupfer, Blech und dampfgetriebene Geräte verbessern den Lebensstandard. Bekannter Vertreter ist Stephen Hunt mit dem Königreich der Lüfte. Die Space Opera. Grosse Schlachten, Geschichten und Liebschaften. Alles verpackt in eine unendliche Geschichte. Bekannter Vertreter ist Dan Simmons und seine Hyperion Gesänge.

Und dann kam Asimov. Mischt mit seinen Themen die SF Landschaft auf.  Ein schwer einzuordnender  SF Autor. Geschichten verknüpft mit wissenschaftlicher Technik und Ideologien sind sein Gebiet. Man nennt ihn auch Populärwissenschaftler. Als man noch nichts vom PC wusste hat er sich der (Robotik) angenommen. Da hat er sich wohl der Hard SF angenähert. Im Roman Lunatik lässt er sein Wissen als Chemiker spielen. Ein Stoff aus einer andern Welt könnte die Lösung für Energieenpässe sein. In der Foundation Trilogie löst er als Wissenschaftler staatspolitische Gesellschaftsfragen anhand einer mathematischen Formel. Den drei Werken gemeinsam, Asimov löst mit einem Mix aus Wissenschaft, Mathematik und idealistischer Theorie die Probleme von Regierungen.

In der Foundation Trilogie löst Asimov rein ideell die Probleme eines Imperiums. Faden um Faden wickelt er den Plot von der Spule. Spielt über endlose Gespräche die staatspolitischen Ansichten der Verantwortlichen gegeneinander aus. Der Leser wähnt sich in einem staatsmännischen Sitzungszimmer. Die Stunden sind vergangen und immer noch geht es darum eine Einigung für eine Krise zu finden.  Um am Schluss des Gesprächs den Berechnungen Seldons recht zu geben. Asimov präsentiert dem Leser keine atemberaubende Weltraumschlacht. Die Stars auf dem Plattenteller des Science Fiction Seller spielen populärwissenschaftliche Melodien um die Kultur eines Imperiums zu retten. Wissen ist Macht. Als der Nachbarplanet gelüste zeigt Terminus anzugreifen, weiss die Stiftung geschickt ihr Wissen um Atomkraft als Waffe zur Verteidigung einzusetzen. Die erste Seldon Krise findet so eine friedliche Lösung. Asimov zieht den Faden der gewaltlosen Konfliktlösung konsequent weiter. Es ist eine David Goliath Situation. Mächtige müssen vor einer vermeintlich kleineren Kraft weichen. Wissen, eingesetzt zur rechten Zeit. Asimov pflegte ein gedankenreiches Hobby. Sein Spieltisch waren interstellare Welten. Die Figuren die Regenten und ihre Absichten. Platonische Space Opera. Bestseller auf dem Soft SF Teller!

psychodoc

 

 

m.peakes der junge titus, gormenghast bd 1 im interpretationsmodus

Posted in buchinterpretationen on April 30th, 2018

Mervyn Peake/ Peake auf Wiki/ Gormenghast Bd 1 der junge Titus/ c 1982 Hobbit Presse, Klett-Cotta, Neuauflage der durchgesehen Ausgabe 2010/ c 1946 by Mervyn Peake/ aus dem Englischen von Annette Charpentier/ Folgebände Bd 2-4/ keine Anhänge/ hardfax S.616

 

 

Kollateraler Inhouse Schaden

Mervyn Peake wäre heute 107 Jahre alt. Würde er noch leben könnte er sich einst in die Liste von Menschen mit biblischem Alter einreihen. Was er aber an Alter nicht erreichte, hat Mervyn Peake durch das Schreiben erlangt. Er wurde, Zitat Wikipedia, „bei  einem kleinen Publikum zum Kultautor“. Erreicht hat er dies durch eine im Deutschen Vertrieb vierteilige Romanreihe. Eine Romanreihe, die ein altehrwürdiges aber auch geheimnisvolles Schloss als Mittelpunkt hat. Ein Schloss, dessen Name allein den Leser zum Bibern bringt: Gormenghast! Für dies Werk erhielt er 1951 den Heinemann Preis für Literatur.

 

Der erste Band von Peake`s Gormenghast  hat den einfachen Namen, „der junge Titus“. Die Geschichte startet, indem der Diener des 76. Grafen die Geburt des Erben verkündet. Somit ist die Erbfolge für das ehrwürdige Geschlecht der Groans gesichert und Gräfin und Graf können aufatmen. Aber aufgepasst, ihr wuchtigen Mauern, weiten Gänge und düsteren Hallen. Denn die an sich frohe Botschaft wird in der Herrscherfamilie und der Dienerschaft, wie sollte es anderst sein, verschieden aufgenommen. Nicht das Titus, der kleine Thronfolger, in Gefahr wäre. Er wächst sicher in den Armen seiner alten Nannie und der Amme, die ihn nährt, heran.

Beinahe ungesehen und unbemerkt zieht jedoch eine düstere Front von Taten und Absichten heran. Die Schlossgemeinschaft, deren Sein von alteingesessenen Ritualen bestimmt wird, deren Tagesablauf von verstaubten Hierarchien geprägt ist, ist reif für eine Veränderung. Zu lang haben Graf und Gräfin nicht aktiv regiert. Hat der Graf sich in Melancholie verloren, hat die Gräfin nur ihren Katzen und Vögeln gehuldigt, hat die Dienerschaft für die Befolgung der Rituale gearbeitet. So kommt es wie es in solch verrotteten, nur durch traditionelle Handlungen bestimmten Leben immer kommen muss. Titus fällt bei der Zeremonie der Taufe aus dem Gesetzbuch, in das man ihn der Regel entsprechend legen musste. Die Finger von Sourdust, dem Archivar, sind eingerostet, lassen den Erben entgleiten. Im Fallen greift sich Titus eine Seite, die er erfolgreich aus dem Buch entfernt. Es wird dies die erste blasphemische Handlung seiner kleinen Lordschaft.

Derweil braut sich der Sturm über Gormenghast zusammen. Steerpike, der ehemalige Küchenjunge rückt zum Diener des Hofarztes auf und zettelt eine Verschwörung an. Feindschaft entsteht zwischen dem ersten Diener des Grafen und dem Küchenchef. Der Archivar stirbt bei einem Brand in der Bibliothek des Grafen. Der Graf kann seine Melancholie nicht stoppen und verfällt dem Wahnsinn. Das Schloss, die Hallen, die Gänge, Innenhöfe und Türme strotzen dabei vor unvergänglicher Düsternis. Es verschlingt die Schritte seiner Bewohner und bleibt bestehen. Es verschlingt aber auch das Gedeihen von Titus, dem werdenden 77. Grafen Groan.

In den ersten hundert Seiten wird genannt, er sei hässlich und habe violette Augen. Dann wird er immer wieder mal zu einer rituellen Handlung gezerrt. Um am Schluss des ersten Bandes tritt dann Titus wieder in Erscheinung. Weil Graf Groan der 76. verschwunden ist, wird Titus noch vor seinem zweiten Geburtstag inthronisiert. Das Ritual findet bei strömenden Regen draussen vor dem Schloss auf dem See statt. Und wieder hat der kleine Thronerbe etwas dagegen, dass man ihn in ein Schema pressen will. Während der frisch eingesetzte Archivar die rituellen Worte spricht, wirft Titus kurzerhand die „sakrosanten Symbole“, die man ihm in die Hand gedrückt hat, in den See. Das sind in Etwa die einzigen Handlungen des jungen Titus.

 

Der erste Band endet und man hat nicht den Eindruck, dass durch die Eröffnung der Geschichte eine geballte Handlung dahergekommen wäre. Der Plot gleicht eher den Beziehungspossen einer Sitcom. Satz um Satz, Absatz auf Absatz und Seite um Seite führt uns Peak in das ziemlich aktionslose Geschehen auf Gormenghast ein. Hauptakteur dabei ist nicht eine abenteuerliche Handlung, wie sonst in der Fantasy üblich. Nicht durch Titus, und auch nicht durch die Schlossbewohner. Hauptakteur ist das Schloss, seine Hallen, die damit verwobenen Rituale, und der Status den dieses Leben den Menschen abfordert. Daran ändert auch eine waghalsige Flucht über die Dächerwelt Gormenghasts nichts. Oder dass sich Fuchsia, die Grafentochter im angrenzenden Wald mal den Fuss vertritt. Oder wenn Steerpike seine rücksichtslosen Pläne umsetzt. Die Beschreibung der Gegend, der Wald, der See, der Berg, die Öde und das Schloss. Alles beugt sich der Hauptfigur. Dem mit Düsternis belegten Geschehen innerhalb der Mauern Gormenghasts.

Die Schreibkünste des Autors gleichen lyrischen Abschweifungen, denen manchmal schwer zu folgen ist. Sie lassen eine aktionsreichere Handlung in intellektuellem Nebel verschwinden. Man kann die Hallen, Plätze und Höfe als die sieben Königslande Gormenghasts bezeichnen. Während aber in Game Of Thrones ganze Kontinente als Handlungsplatz dienen, ist es in „der junge Titus“ ein Schloss. Zugegeben ein gewaltiges Schloss. Und man lasse sich nun durch die Kritik an der Handlung nicht irritieren. Es ist durchaus eine nicht zu unterschätzende literarische Leistung. Zwei Jahren Erdenleben des Thronerben 616 Seiten abzuwringen. Es sind aber nicht halsbrecherische Taten, die den Leser atemlos über die Zeilen treiben. Es sind die Geschichten, die Peake neben einer verwahrlosten Regierung aufbaut. Der düstere Gehalt der Schicksale auf Gormenghast. Das Dasein für Rituale, das alle Beteiligten in ein zwanghaftes Tun quetscht und aus ihnen Retro-Zombies macht.

Nun, wie es im Song der einstigen englischen Soulsängerin und Stilikone Dusty Springfield heisst: „Der einzige der mich berühren konnte, war der Sohn eines Pfarrers“. Peak war  Missionarssohn. Sein Vater war als Doktor für die Congregationalisten in China tätig. Das mag erklären, wie Peak geprägt war. Schwarz-weiss, gut-böse, recht-unrecht, Licht und Düsternis. Straffe Erziehung liess ihn vorankommen. Der Vater war meist nicht zu Hause, hatte zu arbeiten, den Dienst auszufüllen. Da war das Kindermädchen, vielleicht seine Mutter. Dies hat ihn  sicher sensibel für soziale Ungerechtigkeit gemacht. Und gab ihm den Drang auszubrechen, frei von Bindungen zu sein. So ist sein Werk zu verstehen. Als Abrechnung mit einem alten System. Eine Abrechnung mit der Unterwerfung seiner Kindheit unter den Dienst des Vaters. Mittendrin etwas Neues, Frisches, Unverbrauchtes- das Leben des jungen Titus. Eine Idee, ein Neuanfang, etwas Ungebundenes. Die Loslösung von alten Ritualen. Wenn es sein muss durch Gewalt. Die Bankrotterklärung eines Systems. Ein Schuss Anarchie an das Bein verkrusteter Traditionen. Versetzt in eine geheimnisvolle Welt dunkler Gänge, Hallen und Höfe eines geheimnisvollen Schlosses.

Die Empfehlung lautet darum, um es mit Tad Williams zu sagen, pass auf wenn du die Welt betrittst. Sie wird dich verändern. Aber nicht durch die gefahrenvolle, mühsame Reise. Sondern durch den wortreich in Szene gesetzten Sturm auf hergebrachte Zeremonien, Rituale und Traditionen. Ein Lesevergnügen der intellektuellen Art. Nicht für zwischendurch, aber zwischendurch auch wieder mal passend.

 

jh

 

interpretation von h.w. peschs kinder von avalon

Posted in buchinterpretationen on April 3rd, 2018

Helmut W. Pesch/ Pesch auf Wiki/ Kinder von Avalon: Bd 3 der Anderswelt Trilogie/ Überreuter 2001, Reihe: Meister der Fantasy/ Anhänge, Namen- und Sachregister, Karten, Familienstambäume/ hardfax S. 342

  

Ein Blätterwald voller fantastischer Elemente

Mit Helmut W. Pesch kann deutschsprachige Fantasie einen weiteren Autoren ausweisen. In der Flut von angloamerikanischer Kraft hat er sich mit seinem Roman bewährt. „Die Kinder von Avalon“  ist der dritte Band der Anderswelt Trilogie. Einen Namen gemacht hat sich Helmut W. Pesch aber vor allem als Übersetzer, Tolkien-Experte und Sachbuchautor. Erfolgreich ins Deutsche übertragen hat er Werke von E.R.Eddison, Dennis McKiernann und J.R.R. Tolkien. Er ist Doktor der Philosophie und hat 1981 mit einer Grundlagen Arbeit zur phantastischen Literatur promoviert. Dafür erhielt Pesch ein Jahr später den Deutschen Fantasy Preis.

 

Siggi, Hagen und Gunhild, auch die Hauptfiguren der ersten zwei Bände, gelangen in England durch magische Gegenstände in die Anderswelt. Sie finden sich wieder im Land Prydain, im Legenden umwobenen Süden Englands. Wiederum sind sie im Urlaub in eine Geschichte gestolpert. Sie begegnen eigenartigen Wesen, die ihnen Geschichten aus lang vergangener Zeit erzählen. Stück für Stück reimen sich die Drei zusammen, was denn jetzt das Ziel dieser abenteuerlichen Reise sein soll. Begleitet werden sie von geheimnisvollen Artefakten. Ein Speer, der von einem Jüngling mal mit sicherer Hand geworfen wurde; ein Schwert, das eine geheime Geschichte hat; und ein Stein der aus der Anderswelt stammt.

Hilfe erfahren die Drei von einem geheimnisvollen Kesselflicker, der mehr ist als er zu sein scheint. Mehr als Hilfe brauchen sie aber Rat, was denn der Knopf der Geschichte ist und wie er zu lösen ist. So gelangen sie zu verschiedenen Wesen eines Reiches, als man Britannien noch die Insel der Mächtigen nannte. Der letzte König aus einer langen Linie von Kriegern liegt auf der Insel Avallach im Sterben. Nur ein abhanden gekommenes Artefakt kann den bereits verblassenden Herrscher Britanniens wieder beleben. Siggi, Hagen und Gunhild sind dazu ausersehen, den Gral zu finden und zu Arthur bringen.

Peschs Plot die Kinder von Avalon entfacht ein Rauschen im Blätterwald der britisch, mythischen Geschichte. Die Abschnitte, Seiten und Kapitel sind ein Fundus an heroischen Gestalten. Die Handlung reich an Geschichten in der Geschichte. Es ist ein Gnom, der Hagen und Siggi, als sie durch ein magisches Portal nach Prydain gelangten, von der wunderfältigen Welt Pwylls und Rhiannons erzählt. Dann ist es ein Prydydd, ein Barde, dem Gunhild in Gestalt eines Kesselflickers begegnet. Seine Person allein ist Verkörperung tausender Geschichten. Auf Ynis Witrin, der Insel mit dem gläsernen Turm, steckt auf einer gedeckten Tafel das bronzene Haupt Brans, einstmals König im Norden. Es unterrichtet die Ankömmlinge über die Rückkehr der Krieger der alten Stämme aus der legendären Schlacht in Erin.

Die Erzählung ist vollgestopft mit Gestalten und Zusammenhängen aus dem britannischen Sagenfundus. Einen Einblick in diese Geschichten hinter der Handlung erhält man in den vier Zweigen des Mabinogi. Es ist diese Dekoration der eigentlichen Geschehnisse, die den Leser verzaubern. Als Jugendbuch deklariert, erhält der Roman durch die weitschweifige Auseinandersetzung mit keltisch-englisch-mythischer Geschichtsschreibung einen literarisch tiefgründigen Charakter. Als Übersetzer darin geübt Werke ins Deutsche zu übertragen, hat dies Pesch sicher geholfen, einen Handlungsstrang zu entwerfen. Er selber hat etliche Werke auf Englisch gelesen. Durch seinen Status als Tolkien Experte, wird es ihm auch keine Mühe bereiten, fantastische Elemente der britannischen Sagenwelt, zu lesen, zu nehmen, und mit einer eigenen Handlung zu verweben. Dazu kommt, dass er in seiner Zeit als Lektor bei Bastei Lübbe unter anderen Autoren auch einen Stephen King betreut hat. So kommt auch die Vielseitigkeit Peschs zum Tragen. Das Buch enthält als Zusätze Familienstammbäume, ein Namens- und Sachregister und eine Karte.

Die Regel, dass ein guter Moderator nicht auch ein guter Sänger wäre, und es darum damit nicht versuchen sollte, gilt hier nicht. Dr. phil. Helmut W. Pesch kann sowohl als auch. Sowohl übersetzen als auch selber schreiben. Was an dem vorliegenden Roman zu sehen ist. Wer gerne wissenswertes, hier fantastisches, in Geschichteform verpasst bekommt, ist mit Peschs Kinder von Avalon bestens bedient.¨

 

jh

 

tolkiens erbe stephen r. donaldson

Posted in buchinterpretationen on Februar 16th, 2018

Stephen R. Donaldson/ Donaldson auf Wiki/ Anthologie Tolkienserbe/ c 2005 Piper München/ Kurzplot Tochter der Könige, Donaldson/ Englischer Titel Daughter of Regals 1984/ Herausgeber Erik Simon und Friedel Wahren/ Softfax und Seiten der Kurzgeschichte: 130/ andere Autoren: Lord Dunsany, E.R.Eddison, Jack Vance, Michael Moorcock, Ursula K. Le Guin und weitere

  

 

Emanzipation im Land der Könige

Neben J.R.R. Tolkien ist Stephen R. Donaldson ein weiterer Gelehrter der Literatur, der sich abseits von akademischen Wegen fantastischen Geschichten widmet. Stephen R.Donaldson hat im Jahr 93 den Doktortitel in Literatur erhalten. Seine Begabung für belletristisches Schreiben stellte er jedoch schon früher unter Beweis. Mit „Tochter der Könige“ und anderen Geschichten erhielt Donaldson im Jahr 1985 den Balrog Award in der Sparte Beste Anthologie, auf Deutsch, beste Geschichtensammlung. Der Balrog ist jenes fürchterliche Feuerwesen, das  Gandalf  den Grauen in Tolkiens Geschichte „Herr der Ringe“, in den Abgrund von Moria zerrt. Den Balrog Award in andern Sparten hatten schon Stephen King und auch schon Tolkien erhalten.

Am Vorabend der Thronbesteigung beobachten Chrysalis, die Tochter von Königen, und Ryzel, Berater und Freund, aus hoher Warte, wie sich der Festsaal mit Gästen füllt. Ihr Vater, der Basilisk-König ist seit einem halben Jahr tot. Der Frieden im Königreich steht auf wackeligen Füssen. Nur ein starker Hochkönig kann diesen Frieden sichern. Denn das Land besteht aus drei Fürstentümern. Von dort sind mit eigenen Plänen die Regenten angereist. Chrysalis muss an diesem Abend, vor ihrem 21.Geburtstag und bei Vollmond die Hand auf den Thron legen. Dieser besteht aus einem Material von alter Macht. Chrysalis muss so beweisen, dass in ihr die alte Gabe der Könige wohnt. Genau hier sieht aber Ryzel, ihr Berater, das Problem. Seit der Kindheit von Chrysalis hat er nichts von dieser Veranlagung in der Königstochter entdeckt. Die Fürsten nun sind angereist, es gar nicht erst zum Versuch der Thronbesteigung kommen zu lassen. Mit Magie und verschlagenen Vorstössen versuchen sie die Thronbesteigung Chrysalis zu verhindern.

Mit Tochter der Könige hat Stephen R. Donaldson eine phantastische Kurzgeschichte mit emanzipatorischer Kraft hingelegt. Chrysalis, die junge Prinzessin, muss sich ohne jede Hoffnung auf Erfolg den drei angereisten Fürsten, dabei ist auch eine Fürstin, stellen. Auch Ryzel, ihr Berater, hat für den Fall das sie versagt, eigene Pläne. Mit Magie und höfischen Intrigen versuchen die Regenten das Spiel um den Thron zu gewinnen. Dabei hat Chrysalis Vater, der Basilsk-König, vorgesorgt. Er hat aus einem alten magischen Material einen Stab gefertigt, den er Ryzel, seinem Berater, anvertraut hat. Wohl darauf vertrauend, das der Stab in Ryzels Händen, zusammen mit dem Mut der Königstochter, wenn dieser Stab in ihren Händen seinen Auftrag erfüllt, die Inthronisation zu einem glücklichen Ende führen wird.

Tochter der Könige lässt somit die Hoffnungen einer jungen Thronanwärterin auf die geballte Kraft ausgekochter, ihr feindlich gesinnten Pläne, treffen. Chrysalis und Ryzel können nicht sicher sein, ob der Thron, in dem alte Macht wohnt, Chrysalis als Erbin akzeptiert. Aber soweit wollen es die drei Regenten nicht kommen lassen. Thornden aus Nabal hat schon seine Armee vor den Toren. Thone versuchts mit listigen Intrigen, und Damia, die Fürstin aus Lodan, lässt ihren Magier im Festsaal eine Drachenillusion erzeugen. Ausserdem sitzt sie im Bunde mit einem Aufständischen, Kodar dem Rebellen. Ausführlich nimmt Donaldson die Absichten der drei aufs Korn, und wie es Chrysalis schafft, ihnen zu widerstehen. In der Kurzgeschichte geht es weniger darum, wie in einem High Fantasy Plot, den verschiedenen Protagonisten im Alltag zu begegnen und ihnen auf ihren kriegerischen Wegen zu folgen. Es ist eben eine Kurzgeschichte und Donaldson beschränkt sich auf die Art und Weise, wie es Chrysalis ohne jegliche Hoffnung trotzdem auf den Thron schafft. Man kann die Geschichte mit einem Märchen vergleichen, das in seinen Grundzügen Lebensweiseiten, in diesem Fall wie es im Gerangel um einen Thron zu und her gehen kann, aufs Korn nimmt. Emanzipatorisch ist die Geschichte, weil Chrysalis in einer patriarchalischen Gesellschaft es wagt, ohne jegliche Hoffnung auf Erfolg als Thronerbin anzutreten. So spricht die Realität des Lebens gegen sie. Alles ist angerichtet zum grossen Fest. Dass es wie in einer märchenhaften Erzählung zu einem guten Ende kommt, dafür hat Stephen R. Donaldson gesorgt. Mit erzählerischer Kraft lässt er die vermeintlich starken Absichten der drei Landesfürsten an dem mutigen Glauben einer jungen Prinzessin scheitern. Sie besteigt den Thron und der Königsfrieden kann weiterdauern.

jh

 

 

Interpretation von J.R.R.Tolkiens Beren und Luthien

Posted in buchinterpretationen on Februar 3rd, 2018

J.R.R.Tolkien/ Tolkiens Wiki/ Beren und Luthien/ Tolkien auf wiki/ c Hobbit Presse 2017/ Übersetzungen aus dem Englischen von Hans-Ulrich Möhring, Helmut W.Pesch/ Illustrationen von Alan Lee/ Anhänge: Glossar, Namensverzeichnis/ S. 304

  

Leben und Lieben in Feindesland

Die Geschichte von Beren und Luthien ist die bis anhin letzte Veröffentlichung  in Buchform aus dem schriftlichen Nachlass von Sprachprofessor J.R.R.Tolkien. Zusammengestellt von seinem Sohn Christopher Tolkien. Für diese Ausgabe hat Christopher Tolkien die Geschichte aus verschiedenen Textfragmenten zusammengesetzt. Sie ist in vereinfachter Form im Silmarillion und in Band drei des Buches der verschollenen Geschichten zu finden. Die persönliche Widmung an Christopher Tolkiens zweite Frau Baillie zeigt den Stellenwert von Beren und Luthien im Gesammtwerk seines Vaters. Die tragische Liebesgeschichte ist eines der wichtigsten Werke des verstorbenen Professors.

In der Geschichte führt der Weg von Beren, Sohn Egnors von Dor-Lomin jenseits der Eisenberge, nach dem Waldreich des Elbenfürsten Tinwelint. Dort in Artanor schaut Beren auf einer Lichtung im Wald die anmutigen Tänze Luthiens zur Spielmanns Weise von Bruder Dairon. Nicht lange Zeit vergeht, und der heimliche Beobachter wird von Luthien bemerkt, die sich auch gleich in den Waldäufer aus dem Norden verliebt. Das einzige Problem? Ihr Vater ist ein von düsteren Gedanken beherrschter Waldelb. Für sich und die Seinen sieht er nur eines. Schutz nach Aussen gegen alles Fremde. Bei der Vorstellung vor dem Thron muss Beren zu einer Heldentat greifen um seine Liebe für Luthien zu beweisen. Um sein Anspruch auf dieses herrliche Elfenmädchen zu zementieren schwört er nicht mehr vor Tinwelint zu erscheinen, es sei denn er habe einen Silmarill aus der Krone des gefürchteten Gewaltherrschers Melkor mit dabei. Mit dabei, um dieses Juwel dem Herrscher der Waldelben als Beweis seiner Liebe zu übergeben.

Beren wagt dieses Meisterstück. Und wie es kommen muss, entzieht sich auch Luthien durch ihre Schlauheit schon bald der Bewachung durch ihren Vater und macht sich auf eigene Faust auf, ihrem Geliebten beizustehen. Mit Hilfe von Huan, einem mächtigen Vertreter der Hunderasse, erfährt sie wie es Beren ergangen ist. Er ist in die Fänge von Tevildo, dem Katzenchef geraten. Sie hört auf den Rat Huans und kann ihn befreien. Durch erneute List gelingt es einen Silmarill von der Krone zu ergattern. Das Problem diesmal? Der Wolf Karkaras, Türwächter in Angband erspürt die List, bringt den Silmaril auf seine Weise in Besitz. Zurück in Artanor erscheint Beren mit leerer Hand, er hat nur noch eine, vor dem Thron des mächtigen Waldelben. Noch einmal macht sich Beren auf. Diesmal in Begleitung des Elbenkriegers Mablung und Huan. Ihre Jagd gilt Karkaras, der in Besitz dieses Juwels wie verrückt durch die Wälder jagt. Die Geschichte nimmt mit dem Tode Berens ein tragisches Ende. Der Silmaril geht aber in die Hände Tinwelints. Der Beweis der Liebe ist vollbracht.

Hier folgt dann auch die Kritik.

b.hennens elfenritter bd 3 das fjordland im interpretationsmodus

Posted in buchinterpretationen on Januar 11th, 2018

Bernard Hennen/ Hennen auf Wiki/ Elfenritter Bd.3 das Fjordland/ c Heine Verlag 2008, dritte Auflage/ Anhänge: Karten, Personen- und Schauplatzregister, Glossar/ Softfax S.695

 

 

Elfenland in Ordenshand

Das in einer Nische der grossen Welt der Literatur zu findende Genre der Fantasy hat seit seiner Neuentdeckung an Breite gewonnen. Es haben sich verschiedene Untergruppen herausgebildet. Eine Untergruppe ist die Sparte der High Fantasy. Dort ist auch der Deutsche Bernhard Hennen zu finden, der sich als Romanautor seit mehr als zwanzig Jahren für fantastische Plots verantwortlich zeichnet. Das Fjordland ist Band drei der Elfenritter Trilogie und Bernard Hennen, den man auch den Herrn der Elfen nennt, bringt wichtige Geschehnisse aus der weiten Welt der Albenkinder zum Abschluss.

 

2007 ist das Erscheinungsjahr des ersten Bandes der Trilogie, die Ordensburg. Die Intrigen und Machenschaften der Ordensritter vom Blutbaum beginnen zu greifen und es entbrennt ein langer und gnadenloser Krieg, dessen erklärtes Ziel die Bekehrung der Heiden ist. Mitten drin: zwei Teenager, Luc de Lanzac und Gishild, letzte Prinzessin des Heidenreichs. Sie gehen den Kirchenleuten ins Netz und werden vom Orden des Blutbaums auf ihrer Ordensburg in Valloncour zu Rittern herangebildet. In dieser Zeit entsteht eine tiefe Freundschaft zwischen Luc und Gishild.

 

In Band zwei, die Albenmark, holen sich die vereinten Völker des Fjordlands und der Albenmark zurück, was ihnen gehört. Gishild wird von den Alben befreit. Sie ist die letzte Hoffnung des Fjordlands und wird als Königin gekrönt. Die Elfen wissen, fällt das Fjordland, stehen die Ordensritter vor ihren Toren. Seite an Seite kämpfen sie mit den Heidenkriegern gegen die Heere der nach Tjured benannten Glaubensgemeinschaft, die Tjuredkirche. Verrat öffnet den Kirchenheeren den Weg und sie verbuchen einen ersten Teilerfolg. In diesen von den übergeordneten Zielen der kämpfenden Völker beanspruchten Geschehnissen, reisst die noch frische Beziehung Lucs zu Gishild. Die Liebenden stehen an einer Weggabelung und müssen sich entscheiden.

 

In Band drei bringen zu ehrgeizige Absichten den Vormarsch der Ordensritter zum Stehen. Der Orden des Blutbaums wird von den Kirchenfürsten des älteren Ordens vom Aschenbaum aufgelöst. Die zwischenzeitlichen inneren Streitereien bringen nur einen kleinen Aufschub. Mit vereinten Kräften und mit den ehemaligen Anführern des Blutbaums an vorderster Front, gelingt den Ordensrittern Schlag um Schlag und die freien Völker Albenmarks und des Fjordlands werden an den Rand ihrer Existenz gedrängt. Luc hat sich seines Versprechens an Gishild erinnert, ihr Ritter zu sein, findet aber den Platz an ihrer Seite besetzt.

 

Verschiedene Ehrungen durfte Bernard Hennen für sein Schaffen schon empfangen. Zum einen war es im Jahr 1994 die Anerkennung für den ersten Band der zusammen mit Hohlbein verfassten „Jahr des Greifen“ Trilogie. Der „Der Sturm“ genannte Plot erhielt die Auszeichnung, beliebtester deutscher Fantasyroman. Zum andern, zwar ohne Preis aber doch eine grosse Ehre, landete der Einstiegsroman in die Elfenwelt auf Platz zwei der amerikanischen E-Book Charts. Die Elfenwelt, in die Bernard Hennen auch wieder als Co-Autor eingestiegen ist, hernach aber sich selbst als Autor einsetzen kann, hat dem erzählstarken Deutschen den Übernamen „Herr der Elfen“ eingebracht.

 

Neben den starken angloamerikanischen Fantasyerzählern in Bestsellergrösse wie Tad Williams und George R.R. Martin, hat das europäische Festland in Hohlbein und Hennen vergleichbare Grössen. Die Bücher der zwei deutschsprachigen Autoren haben die Sprachgrenze geknackt und werden über die Landesgrenze hinaus vertrieben.

Das Fjordland bietet als Geschichte alle jene Aspekte, die ein High Fantasy Werk liefern muss. Eine fremde, unbekannte Welt mit ihren eigenen magischen Gesetzen, menschliche und exotische Wesen mit unterschiedlichen Auffassungen vom Leben, Gut und Böse das sich bekämpft, übernatürliche Begabungen, Helden und Antihelden. Man könnte dies auch als den kleinstmöglichen Nenner bezeichnen, unter dessen Strich sich die wichtigen High Fantasy Aspekte finden müssen.

 

Als Königin über das Fjordland, zieht Gishild gegen die anrückende Kirchenmacht in den Kampf. Es sind verzweifelte Nadelstiche und schlussendlich zieht sich die Königin nach Firnstayn, zurück. Es sind die grossen Kirchenfürsten selbst, die diesen letzten Krieg gegen die Albenkinder und das Heidenreich anführen. Wenn schliesslich die Schlacht geschlagen sein wird, werden sie die Burg Elfenlicht, das Herz Albenmarks, beinahe erreicht haben. Durch eine Gabe, eine Kraft die älter ist als den meisten Ordensleuten bewusst, schafft es ein Ordensritter die unsichtbaren Schutzwälle Albenmarks einzureissen. Das Land der Anderen liegt bloss vor den Füssen der Kirchenheere. Der Sturm scheint unaufhaltbar. Luc hat in diesen schwierigen Stunden seine eigenen Entscheidungen zu treffen. Er ist Ritter und Liebhaber zugleich. Schlussendlich lebt er, was er Gishild in der Ordensschule versprochen hat. Er wird immer ihr Ritter sein, sie beschützen, wie er es gelobt hat. Die Elfen an der Seite Gishilds werden ihn schlussendlich ehren. Er wird ein Elfenritter sein. Seit dem Sturm  auf Vahan Calyd, der Elfenfeste, die durch Verrat den Ordensrittern zum Opfer gefallen ist, gilt er als verschollen. Er taucht an der Seite der Königsgarde, den Mandriden, im Fjordland wieder auf. Mit letzter Anstrengung erreicht er Albenmark. Die Grenze aber zu den Landen der Anderen ist endgültig zu. Emerelle, ihre Königin, hat den letzten Zauber gesprochen, ihr Land von den sterblichen Gestaden getrennt. So endet Band drei der Elfenritter Saga.

 

So zieht Bernhard Hennen mit der Feder eine blutige Spur durch die letzten freien Völker Albenmarks und des Fjordlands. Dabei kennt die Geschichte keinen Helden, der im Alleingang die Welt rettet. Die Geschichte kennt auch keinen weisen Zauberer, der einen schwächlichen Protagonisten belehrt. Die Geschichte kennt auch nicht die Macht des Bösen, die sich in einer pervertierten Spezies sammelt. Es ist die Geschichte einer Welt, die das Böse als geballten rechten Haken einer machtversessenen Religionsgemeinschaft abbekommt. Es ist die Geschichte des Untergangs eines magischen Reiches und deren heidnischen Gefährten im Fjordland. Lange hat sich die Tjuredkirche vorbereitet, um nun mit Rauch, Pulver und einem geordneten Heer die letzten freien Völker ihrem Willen und ihrem Gott zu unterwerfen. Der einzige Pluspunkt, den die Ordenskrieger verzeichnen können? Sie gewähren dem Schutzlosen Volk freien Abzug, wenn sie sich beugen.

 

Dabei beleuchtet Hennen die Geschehnisse von allen Seiten. Der Leser erfährt von Gishild und wieso sie als Frau Probleme hat Königin zu sein. Der Leser erfährt von Athap dem Lutin und wieso er unwissentlich ein Zudiender der Kirchenleute ist. Der Leser erfährt von einem Primarchen namens Honore, und was für eine Gabe er in sich trägt. Er erfährt von den Beweggründen der Elfenfürstin Emerelle, als sie erwägt, den Menschen im letzten Kampf keine Hilfe zu senden. Er erfährt von dem Albenkind Orgrim, dem Trollkönig, und wie er endlich zu Landbesitz kommt. Und von vielen anderen Perspektiven und Ansichten, die die 2000 Seite Starke Erzählung bereichern.

 

Schliesslich weiss Bernard Hennen als ehemaliger Schauschwertkämpfer, worum es bei der Handhabung der Waffe geht. Man kann die Echtheit der Kampfszenen förmlich spüren. Erek, Gishilds Gemahl wieder willen, wird auf dem Rückzug in einer Fallgrube von einem angespitzten Pfahl durchbohrt. Er überlebt, trägt aber die Zeichen der Verletzung fortan am Körper. Auf der Flucht verliert Gishild ihren Sohn, nicht durch Kampf, sondern durch Erfrierung infolge von Hagel und Sturm. Hennen lässt nichts aus, um die Brutalität eines Kriegzuges zu zeigen. Er brettert mit der Feder in der Hand über die Autobahn des epischen Widerstands der Anderen gegen die Tjuredkirche.

So könnte man als Fazit sagen, deutsche High Fantasy ist einen Gang härter, gnadenloser und somit auch einen Hauch näher an der realen Welt. Ist es in der westlichen Gesellschaft auch kein Religionssystem mehr, das Unterwerfung fordert, so sieht man aber Rücksichtslosigkeit in mancher Staatsführung.

 

Zurück aber zur Geschichte. Nach den Elfenritterromanen hat Bernard Hennen im nachfolgenden Drachenelfen Zyklus aufgezeigt, wo alle die sagenhaften Gestalten ihren Ursprung haben. Aber aufgepasst. Es ist nicht nur getan mit dem Lesen einiger Seiten. Auf den Interessierten warten wiederum Tausende von Seiten. Aufgeteilt in mehreren Bänden. Hennen ist ein Autor, der im heimischen Bücherregal einen Platz verdient hat. Ein Autor aber auch, dessen Geschichten, Legenden und Sagen von einer tiefen Beziehung zur Realität zeugen.

Folge dem Pfad zu Bd.1 und Bd.2

jh

Interpretation von O.Plaschkas Magier von Montparnasse

Posted in buchinterpretationen on Oktober 23rd, 2017

Oliver Plaschka/ Plaschka auf Wiki/ Die Magier von Montparnasse/ c Hobbit Presse 2010/ Zusatz: Situationskarte/ hardfax S.428

  

An einem verflixten Sonntag

Ein Buch wie das Bühnenbild der Oper Carmen auf der Seebühne Bregenz, ein Stapel in die Luft geworfener Karten. Man entscheide sich, welche man fangen will.  Im vom Autor schriftlich geworfenen Kartenset buhlen Magiere, ein Schriftsteller, eine Kellnerin, eine Aushilfe, die Besitzer des Hotels und nicht zuletzt auch eine Schar von Tieren, um die Gunst des geneigten Lesers. Oliver Plaschka, der für sein Erstlingswerk „Fairwater 2007 gleich einen Preis einheimste, entführt den Leser in seinem vierten Werk nach Paris im Jahre 1926. Montparnasse ist der Brennpunkt, wo sich jedweder Künstler die Ehre geben will.

 

Die Geschichte beginnt an einem Sonntag mit der Abendvorstellung im Variete Bobino. Dem Magier Duo Ravi und Blanche misslingt ein Trick und Ravi bricht, um seine Partnerin zu schützen, eine alte Regel: Er setzt echte Magie ein! Nach der Rettungstat erinnert Blanche Ravi an einen Bund, den sie vor sieben Jahren geschlossen haben. Zur Erneuerung beissen sie in einen Apfel, dann sinkt Blanche in Schlaf und ihr Schicksal liegt in Ravis Händen. Vor dem Wegtreten versichert sie Ravi, die Zeit sei gekommen!

Die Geschichte dreht sich nun sieben Tage lang um die Ereignisse im Jardin, einem Hotel am Carrefour Vavin, das das Zentrum am Boulevard Montparnasse ist. Ravi hat Blanche unterdessen dorthin gebracht und es obliegt ihm, sie vor den Gesandten der Societe zu verteidigen. Um die Ereignisse zu entschlüsseln, hat das Direktorat der Societe Silencieuse, das ist die Gesellschaft der Magiere, die Welt um das Jardin in eine Warteschlaufe versetzt. Normal sterbliche erleben eine Woche lang immer denselben Tag, ausgenommen Magiere und Mitglieder der Gesellschaft.

Der vorliegende Plot des deutschen Schriftstellers Oliver Plaschka ist keine typische „ein Satz Geschichte“, die man mit den Worten, und Ravi ging von A nach B und hat seinen Auftrag erfülllt, beschreiben kann. Es sind eine ganze Menge von Sichtweisen in verschiedenen Lebenssituationen, vertreten durch eine Anzahl von Personen, die der Autor in das Geschehen eingeflochten hat.

Die Begebenheiten um den missglückten Auftritt von Ravi und Blanche fallen geschichtlich in die Zeit nach dem ersten Weltkrieg. Später wird man rückblickend vom beinahe eine Dekade währenden goldenen Zeitalter reden. Es war also eine Zeit des Aufbruchs, materiell wie künstlerisch ideell. In dieser Zeit verhaftet sind wohl auch die Ansichten, die der Autor den Protagonisten andichtet. Denn wenn es unbestritten ist, dass sich seit der Ritterzeit der Wortschatz der Menschen verändert hat, so ist es eben auch unbestritten, dass sich seit dem goldenen Zeitalter weiterentwickelt hat, wie wir heute mit den neusten Techniken die Wirklichkeit darstellen. Die Rede ist von der Technik, die Filme zur Trickkiste machen, die Rede ist von Augmented Reality mit der wir dem Bewusstsein eine neue Dimension öffnen.

Von dem allen wussten die Menschen des goldenen Zeitalters nichts. Ravi und Blanche hatten noch die Möglichkeit, ihre Mätzchen mit der Illusion einem weitgehend von bewegten Bildern nicht übermässig verwöhnten Publikum zu zeigen. Die danken es und lassen die Kassen der Variete- und Showbühnenbesitzer klingeln. Das aussergewöhnliche Erreignis, das was das Leben des Bürgers neben der Arbeit anreichert, und was sich schon Lord Dunsany für ein Dorf in England wünschte, muss im goldenen Zeitalter noch ausserhalb der guten Stube gesucht werden. Es sind die Bühnen, die grossen und kleinen, die den Menschen von den grossen Geheimnissen und Geschehnissen der Welt künden.

Auf diesem Hintergrund, und das hat sich wohl bis heute erhalten, sieht der grösste Teil einer breiten Öffentlichkeit transzendentes als etwas, das praktisch erlebbar sein muss, wenn es Aufmerksamkeit erregen soll. Gott und eine unsichtbare, jenseitige Welt werden den an der Geschichte beteiligten Personen durch die Absichten einer Handvoll Zauberer in das Leben getragen. Sieben Tage lang wiederholt sich der Kreislauf und  es geschehen rund um das Jardin die seltsamsten Dinge. Ravi wehrt sich gegen die Sendlinge des Direktorats. Ein Sendling ist Barneby. Er soll rausfinden, was denn Ravi in jener verunglückten Nummer nun wirklich getrieben hat. Ihm nachgesandt wurde Orlando. Eine furchteinflössende Figur mit einem schrulligen Diener. Im Hotel arbeitet die Kellnerin Justine, die dem hantieren der seltsamen Gäste langsam auf die Spur kommt. Als Aushilfe arbeitet im Jardin noch Mischa, ein russischer Junge, der sich wiederholt infolge Trunkenheit und unglücklicher Liebe auf einem Abfallberg wiederfindet. Schliesslich sind da die Wirtsleute, die dem Treiben der Künstler so lange zuschauen, als der Zaster rollt. Als Zugabe zum illustren Personenkreis erscheint Gaspard. Ein angehender Autor mit unter dem Arm eingeklemmtem Manuskript. Er sucht den in Paris wohnhaften und bekannten amerikanischen Schriftsteller.

Sie alle werden in den magischen Sog der angehaltenen Wirklichkeit gezogen. Ihnen allen gibt Oliver Plaschka  in seinem vierten Roman eine Bühne. Das Werk als Ganzes befasst sich mit Schicksalen, die sich einer Handvoll Magiern und deren Machenschaften ausgeliefert sieht. Es ist kein Krimi, denn ein zwischenzeitlich verübter Mord wird über ein Kapitel hinweg wieder aufgelöst. Es ist auch kein Abenteuerroman. Darüber hinweg kann auch nicht der Showdown in den Katakomben von Paris täuschen. Es ist auch nicht der klassische historische Roman. Es ist eher ein Zeitdokument, das ein Abbild der Mentalität einer Künstlergilde zeichnet, die sich irgendwie als Anwender der Gesetze von Raum und Zeit verstanden haben. Darin gleicht der Roman den Erzählungen von William Gibson. Man sucht oft die Handlung, sieht sich aber mit vielen Detailbetrachtungen und Situationsaktionen konfrontiert.

So differenziert wie die Wirklichkeit in diesem Buch betrachtet wird, so differenziert muss auch der Ratschlag an geneigte Lesenarren gehen. Dieser Roman ist ein Gourmetstück, das ein Stück Paris abbildet, weniger ein aktionsgeladenes Lesevergnügen. Und es stellt in vielen Passagen eine Frage. Ist das, was wir täglich sehen die Wirklichkeit? Der Mensch glaubt immer nur was er sieht. Im Falle des vorliegenden Romans ist dies aber eine in die Irre führende Tugend, denn was er sieht ist vom Magier inszenierte Wirklichkeit.

 

jh

interpretation von j.jonasson mörder anders

Posted in buchinterpretationen on September 9th, 2017

Jonas Jonasson/ Jonasson auf Wiki/ Mörder Anders und seine Freunde nebst dem einen oder anderen Feind/ c  2016 carls books münchen/ Originalausgabe 2015 mit dem Namen: Mördar Anders och hans vänner (samt en och annan ovän), by Piratförlaget/ aus dem schwedischen von Wibke Kuhn/ hardfax S.346

 

Ein lockeres Unternehmen

Ungewöhnlich, einen Bestseller in Händen zu halten und nicht zu wissen, ob man ihn in den Himmel heben oder in der Hölle braten soll. Bereits der Debutroman des schwedischen Schriftstellers füllte die Taschen. Der dritte Kassenschlager in Folge lässt die Korken knallen und die Geschichte von Mörder Anders in Kürze auf Platz eins der Hitliste schnellen.

Holprig beginnt Jonas Jonasson die Geschichte ab der Spule zu rollen. Das Bild eines nicht alltäglichen Unternehmens mit nüchterner Distanz zu entfalten. Der ehemalige Häftling Mörder Anders im Focus zweier berechnenden Menschen. Mehr zufällig als gewollt kreuzen sich die Wege von Per Persson, dem vom Leben enttäuschten Rezeptionisten, Johanna Kjellander, der gestrauchelten Pastorin und Mörder Anders. Ort des Geschehens ist der Arbeitsplatz von Per, die Pension Sjöudden, ein heruntergekommenes Hotel, das einmal ein Bordell war.

Pastorin und Rezeptionist überreden den naiven ehemaligen Häftling für die Stockholmer Unterwelt bei anständiger Bezahlung Auftragsknochenbrüche auszuführen.  Das Unternehmen läuft wie geschmiert, bis Mörder Anders sein sinnloses Leben Jesus Christus anvertraut und die Arbeit verweigert. Mörder Anders sei noch brutaler geworden, lassen Pastorin und Rezeptionist über die Zeitung Expressen verbreiten und heimsen nun das Geld ein, ohne je wirklich einen Auftrag ausgeführt zu haben.

Das Trio fliegt auf und flieht in einem Wohnmobil nach Südschweden. Die Mildtätigkeit von Mörder Anders bringt Per Persson und Johanna Kjellander auf eine neue Geschäftsidee. Sie nutzen die Popularität des Mörders und gründen eine Kirche. Durch den Abendmahlswein –  „das „Blut Jesu“ – und eine angepasste Predigt manipulieren sie die in Scharen kommenden Gottesdienstbesucher und gelangen wiederum zu Reichtum. Ein Kirchendiener macht ihnen aber einen dicken Strich durch die Rechnung. Sie müssen das Gewerbe wieder wechseln und starten von Gotland aus – wohin sie unterdessen gezogen sind – ein Geschäft mit der Marke „Mörder Anders“ als wohltätiger Weihnachtsmann. Alle Beteiligten finden nun mit der geläuterten Geschäftsidee ihren Frieden.

Die Einführung der Personen erfolgt durch einen Beschrieb der Jugend. Die Pastorin hasst Gott, weil der Vater sie zum Dienst gezwungen hat. Nichts hält der Autor von dem Argument, dass Kleider Leute machen und lässt es Aussen vor. Nicht nur das, man erfährt auch nichts über das Aussehen der Hauptfiguren.

Konsequent gliedert Jonas Jonasson den Plot auf und dichtet dem Mörder eine radikale Wandlung an. Kein einziges Kapitel beginnt mit Gewichtung der Landschaft. Als sie in der Naturidylle Gotland ein Fischerhäuschen ergattern, beschränkt sich der Schwede auf die formalen Bedingungen des Erwerbs. Man fühlt sich im Kino um den Ton betrogen.

Dialoge packt der Autor in indirekte Rede, um dann abschliessend den Protagonisten einige Sätze auf die Zunge zu legen. Dies ist verknüpft mit der Verwendung von Bibelzitaten – aus dem biblischen Zusammenhang gerissen – um die Forderungen der Pastorin umzusetzen, Anders von Jesus fernzuhalten und das Unternehmen zu stützen.

So bleibt die Erzählung des schwedischen Erfolgsautors ein milchiges Etwas, ein belletristischer Funke, der den Leser nicht in die Tiefe führt. Man kommt nicht umhin zu sagen, der dritte Roman von Jonas Jonasson ist das Werk eines schwedischen Intellektuellen, das Kraft der schriftstellerischen Kunst an Bodenhaftung zu wünschen übrig lässt.

jh