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Interpretation von Peinkofers Könige Trilogie Bd 2: Kampf der Könige

Posted in buchinterpretationen on November 6th, 2019

Michael Peinkofer/ Peinkofer auf Wiki/ Kampf der Könige c Piper Verlag Gmbh 2014/ Band 2 der Könige Trilogie/ hier gehts zu Band 1/ Anhänge: Glossar, Karte, Grammatik einer alten Sprache/ softfax S.539

Erdwelt- Tummelplatz der Werke und Wesen

 

Einleitung Der grosse Vorteil einer High-Fantasy Geschichte gegenüber eines historischen Romans ist, der Leser muss sich nicht dauernd fragen, ob die Fakten stimmen. Ist die Erzählung aufgrund historischer Tatsachen geschrieben? Hat sie darüber hinaus auch noch die Stimmung jener Zeit eingefangen? Sind die Charaktere nahe an den Linien der Vorbilder gezeichnet? Eine Geschichte aus dem fantastischen Genre darf sich frei entfalten. Kein Erzählkorsett, keine Vorgaben von vormaligen Geschehnissen, Freiheit in der Charakterwahl.- Diese Freiheit hat sich der deutsche Erfolgsautor Michael Peinkofer einverleibt. Seine High Fantasy Trilogie mit dem Titel „die Könige“, ein Muster an schriftstellerischer Freiheit.

 

Handlung Band eins endete, dass die verschiedenen Protagonisten in Erdwelt einem Auftrag hinterhereilen. Da ist ein Herzogssohn, der zum Anführer aller Widerstandsnester werden soll. Da ist ein verschlagener Zwerg, der von seinem König verachtet eigene Wege geht. Da ist ein Menschenkrieger als Spion unterwegs, nicht bereit aufzugeben, als bis er genau weiss, was die dunkle Seite plant. Da ist eine freie Tochter aus den Hügellanden, die von ihrem Gefährten getrennt wird. Da sind freiheitsliebende Zwerge, die ihrem Anführer die Stirn biegen. Nicht zuletzt zwei Orks, die im Lauf der Handlung richtigstellen, was wirklich in ihnen steckt. So weit, so gut.

Dann startet Band zwei der Könige Trilogie von Michael Peinkofer mit der Suche nach einem verloren gegangenen Kind. Auf ihm liegen die Hoffnungen einer kommenden Generation. Das Kind hat Bedeutung für die Guten, wie die Bösen. Der Widerstand sammelt sich in der Folge um den Herzogssohn, Dag von Ansun. Vom Meer bis hoch in den Norden, vom Norden bis zur altehrwürdigen Zwergenfeste, von den Marschen bis zu den Hügellanden; in Band zwei mehren sich die Zeichen, das der Widerstand einen Weg gefunden hat, der drohenden Dunkelheit zu entgehen. Band zwei endet mit einem Teilsieg. Noch aber ist das Übel nicht völlig an der Wurzel gepackt. Noch lebt der machtsüchtige Zwergenherrscher, und der Kampf um das Kind ist noch nicht abgeschlossen.

Besprechung Wiederum lässt es der Autor mächtig rauschen. Es ist mehr als ein Rascheln im Blätterwald, wenn er Seite um Seite die Schicksale seiner Charaktere vorwärtstreibt. Wie in der Besprechung zu Band eins erwähnt, präsentiert Peinkofer ein Wimmelbild an Helden. Der Titel zu dieser Besprechung hat es bereits angetönt. Die Könige Trilogie ist ebenso wie ein Wimmelbild an Helden ein Tummelplatz jedweden Wesens, respektive jedweden Werkes. Es sind nicht wenige Wesen, die den Widerständlern begegnen. Von der Schattenarmee bis zum greifbaren Eisbarbaren. Kreaturen, ihrer Umgebung entsprechend gestaltet, die sich dem Bösen beugen. Dann wieder Wesen, älter als die Menschen, die sich dem Widerstand anschliessen, nachdem sie von den guten Absichten der Widerständler überzeugt sind.

Wie Band eins ist die Fortführung des Krieges um Erdwelt ausführlich in der Erzählung. Der Erfolg der Guten, der zwangsläufig das Ziel einer fantastischen Erzählung sein muss, nicht nur lieblos den Lesern hingeworfen. Und hier hat sich Peinkofer durchaus ein Beispiel aus der realen Welt genommen. Es ist ein wichtiges Detail der Erzählung. Das Kind, das es vor der dunklen Seite zu schützen gilt, kann, nachdem es zu seinem Schutz fremdplatziert wurde, nicht einfach wieder seinen Eltern übergeben werden. Es kann die Sprache der Eltern nicht, hat andere manieren und möchte lieber bei den Ziehvätern bleiben.

Sodann widmet der Autor Dreien Schicksalen in Band zwei ein Extra Kapitel. So kann der Leser ihren Gang durch die Zeit bis zum Start von Band zwei verstehen. Eine Perle im Buch, wie ein Bild, das die emotionale Bindung vertieft.

Empfehlung Band zwei ist die ebenbürtige Fortsetzung der Könige Trilogie. Der Leser muss aber Wissen, er ist noch nicht am Ende. Die dunkle Macht ist noch nicht zurückgetrieben. So steht der Griff zu Band drei noch an. Also nochmal 500 Seiten. Ein gutes Buch für zwischendurch, und nicht nur für Jugendliche. Auch ältergewordene können sich daran erfreuen.

Pilger jack für das team fantaster

m.peinkofers orknacht, bd 1 der könige trilogie- eine besprechung

Posted in buchinterpretationen on Oktober 22nd, 2019

Michael Peinkofer/ Peinkofer auf Wiki/ Die Könige Band 1: Orknacht c PiperVerlag Gmbh 2013/ Anhänge: Karten, Glossar, Grammatik einer alten Sprache/ softfax S.511

Erdwelt- Wimmelbild der Helden

Einleitung Der grosse Vorteil einer High-Fantasy Geschichte gegenüber eines historischen Romans ist, der Leser muss sich nicht dauernd fragen, ob die Fakten stimmen. Ist die Erzählung aufgrund historischer Tatsachen geschrieben. Hat sie darüber hinaus auch noch die Stimmung jener Zeit eingefangen. Sind die Charaktere nahe an den Linien der Vorbilder gezeichnet. Eine Geschichte aus dem fantastischen Genre darf sich frei entfalten. Kein Erzählkorsett, keine Vorgaben von vormaligen Geschehnissen, Freiheit in der Charakterwahl.- Diese Freiheit hat sich der deutsche Erfolgsautor Michael Peinkofer einverleibt. Seine High Fantasy Trilogie mit dem Titel „die Könige“, ein Muster an schriftstellerischer Freiheit.

 

Handlung  In dem von Peinkofer entworfenen Land Erdwelt drängt sich eine alte finstere Macht zurück in den Kampf um die Herrschaft. Es ist der despotische Zwergenkönig Winmar von Ruun, der zurzeit das Sagen hat. Zurückgedrängt hat er die freien Völker und sitzt auf dem ehrwürdigen Thron der Äxte seiner Vorfahren, fällt machtversessene Entscheidungen. In alle Winde verstreut sind diejenigen, die in Friedenszeiten Land und Volk führten. Die Könige der Menschen, die Vorsteher der Hügelclans, die eigentlichen Erben der Throne, die Nachfahren der Elfen. Unter ihnen auch der alte Weise Dwethan, der den Widerstand zu bündeln versucht. Mit dabei sind auch zwei streitlustige Orks mit einem wichtigen Auftrag in Händen.- Und alles wird überschattet durch den finsteren Willen uralter Wesen, die ihre eigenen Absichten in Erdwelt durchsetzen wollen.

Besprechung Teil 1  Band eins der Könige Trilogie von Michael Peinkofer ist vor allem eins, eine gut erzählte Geschichte. Langsam und gemächlich gewinnt die Handlung an Spannung. Geschickt zieht der Autor an den Fäden der Geschichte. Da ist Dag, ein blinder Menschenprinz, der sich in einem Stockkampf die Ehre unter Kriegern erkämpfen muss. Da ist Aryanwen, eine Königstochter, die, um dem Land zu dienen, eine Scheinverbindung eingeht, nun auf der Flucht vor ihrem Peiniger. Dann sind da zwei Orks. Unterwegs mit einem unfreiwilligen aber angenommenen Auftrag, der sie fremde Wege gehen lässt. Dann sind da einige aufständische Zwerge an Winmars Hof. Lieber gehen sie in den Tod, als die despotischen Absichten ihres jetzigen Herrschers zu verteidigen. Da ist auch der Krieger Alured, der als Spion bis an die äussersten Grenzen des Machbaren vorstösst. Dann ist da auch noch Catriona, die Tochter eines Clanführers aus den Hügeln. Die Ehre eines Kriegers vor den Augen, betreibt sie ein gefährliches Spiel. Da ist auch Vigor, als Vorsteher der Geheimpolizei Winmars ein zweifelhafter Charakter. Warum aber kann er seiner Stellung nicht treu bleiben? Zuletzt ein Kind, nach dem die erwachende finstere Macht seine Krallen austreckt.- Alle zusammen ergeben ein Wimmelbild an Helden, die in Erdwelt in High Fantasy gerechter Weise zur Entfaltung kommen.

Besprechung Teil zwei Und auch wenn für Spannung bis zum letzten Kapitel gesorgt ist, fehlt eine Komponente. Es ist der Bezug zum Leben von Michael Peinkofer. Zur Realität des eigenen Alltags. Dass seine Geschichte wimmelt von Ideen, dafür hat sein Studium gesorgt. Der Autor hat unter anderem Germanistik studiert, also deutsche Sprache und Literatur. So sind es die Komponenten Wissen und Erzählkunst, die die Stärke der Erzählung ausmachen. Die Freude am Schreiben zählt jedoch an dieser Stelle nicht, denn sie ist Voraussetzung. Wenn er Zeile um Zeile die Blätter rauschen lässt, und der Leser sich mit dem Fuss im dichten Wald verfängt, weil er mit dem Helden unterwegs ist, fehlt die einordnende, subjektive Einschätzung der Situation. Sie würde zusätzliche Kraft freisetzen, sie würde den Lesenarr auf emotionaler Ebene mitreissen.

Auch Tolkien war Sprachwissenschaftler. Er hatte ebenfalls die zwei Komponenten Erzählkunst und Wissen vorzuweisen. Auch er bündelt die Fäden der Geschichte zu einem dicken Erzählstrang. Einem seiner Helden, Faramir, Heerführer in Gondor, fällt auf einem Streifzug ein getöteter Südländer vor die Füsse. Als er ihn sieht, fragt er sich, was ihn so weit von zu Hause fortgeführt hat. Ob es freiwillig geschehen sei, und ob er nicht lieber geblieben wäre. Diese Gedanken geben einen subjektiven Standpunkt wieder. Und man darf annehmen, dass die Überlegungen dazu aus den Lebenserfahrungen Tolkiens stammen.- Also, er hat die Blätter Zeile um Zeile rauschen lassen, der Leser hat den Fuss im düsteren Wald verfangen, weil er mit dem Helden unterwegs war, und die Einschätzung als dritte Komponente hat einen Sturm entfacht, die die Lesestube in ein unheimliches Licht zu hüllen vermag!

Empfehlung  Das Buch Orknacht aus der Könige Trilogie von Michael Peinkofer richtet sich an Liebhaber von High Fantasy Wälzern und lässt sich locker zwischendurch lesen. Man bedenke: Drei Teile bedeuten je etwa 500 Seiten. Das bedeutet wiederum, die andern Teile müssen auch gelesen werden.

für das Team Fantaster: pilger jack

Besprechung von Kofmehl/Betts Dark City Bd1: Das Buch der Prophetie

Posted in buchinterpretationen on Oktober 9th, 2019

Kofmehls Seite/ Kofmehl auf Wiki/ Dark City Trilogie Bd 1: Das Buch der Prophetie c Brunnen 2008/ Karte/ hardfax S.348

Wähle, Freund- und trotte ein!

 

Einleitung Stell dir vor, lieber Leser, du würdest einen langgestreckten Bergrücken entlang laufen. Nicht steil, ausgetreten, geradeaus. Dann, an einem Punkt des Weges, scheint es dir, als lichte sich etwas, das wie ein diffuser Nebel auf der Umgebung gelegen hatte. Die Landschaft um dich herum ist nun wie auf einen Schlag verändert. Konturen erscheinen, Linien, Formen. Du stehst zwar noch auf dem Bergrücken, siehst aber jetzt, dass du rechts eines mannshohen Zaunes entlanggelaufen bist. Dieser Zaun trennt die Welt messerscharf in zwei Hälften. Die eine Hälfte ist licht, freundlich anzusehen, angenehm duftend. Die andere Hälfte, und dort ist es wo du stehst, halbdunkel und von Stimmen durchdrungen, der Geruch modrig. Eine Frage keimt in dir hoch: „Warum laufe ich auf dieser Seite?“ Die Antwort: „Du weisst es nicht!“

 

Empfehlung Dark City, von der Schweizerin Damaris Kofmehl und dem Amerikaner Demetri Betts, ist ein dreiteiliger Fantasy-Roman aus dem Jahr 2008. Er richtet sich vor allem an Jugendliche, kann aber auch von Erwachsenen gelesen werden. Die Handlung hat die Kraft, Fragen im eigenen Leben aufzuwerfen. Fragen an das Leben an und für sich. Es empfiehlt sich daher, das Buch nicht zwischendurch zu lesen, sondern in einer ruhigen Minute.

Handlung Band eins: Das Buch der Prophetie Shairia ist der übriggebliebene Teil einer Insel, die von einer Naturkatastrophe verheert ist. Seither hängt nebliger Dunst über dem ganzen Land. Ein Regent und seine Barone regieren das Volk, belegen es mit eisernen Regeln. Von einer Hexe erhalten vier Jugendliche einen Auftrag. Sie müssen zwei Reliquien zu einem König im Exil bringen. Dadurch, so sagt eine vergessen gegangene Prophezeiung, soll das Land von der Bedrückung befreit werden. Von Abenteuer zu Abenteuer stolpernd, versuchen die vier Jugendlichen, den Auftrag zu erfüllen.

Besprechung Die Aufstellung des Plots verbirgt zwei grosse Fallgruben. Es ist zum einen das abgedroschene Klischee eines Teams, das eine Aufgabe meistern muss, und zum andern die Thematik um Lüge und Wahrheit. Beide bergen die Gefahr, bei ungewissenhafter Bearbeitung, die Geschichte abstürzen zu lassen.

Fallgrube 1: Ein Team löst die Aufgabe   Es ist eine Erfahrung, die wir irgendwann mal im Leben gemacht haben. Wir waren in einem Team, wir haben verloren. Denn da war meistens ein Team, das eine stärkere Besetzung hatte. Ein Team sein bedeutet also, Schwächere und Stärkere sind dabei. Jene die sich mögen, jene die sich meiden, im Team können sie aufeinander treffen.

Sie müssen nun, wie im vorliegenden Buch, miteinander einen Auftrag ausführen. Die Mädchen, die Buben, und nur ein Mitglied hat wirklich eine Kampfausbildung. Die Andern? In dieser Hinsicht unerfahren. Mindestens zwei von ihnen Verlierer in den Augen der Gesellschaft. Ein Kunststück für die Autoren, Aussage um Aussage den Deckel über der Fallgrube zu schliessen. Nichts weniger als die Frage nach gegenseitigem Vertrauen steht im Zentrum. Die Autoren müssen glaubhaft erzählen und wissen, eine feine Federführung ist gefragt, damit der Funke springt. Schon Tolkien, der Autor von „Herr der Ringe“, hatte sich dieser heiklen Aufgabe gestellt. Er liess seine zwei Protagonisten die Frage nach dem Sinn beantworten. Antwort: Es gebe etwas, für das zu leben sich lohnt.

Fallgrube 2: Lüge und Wahrheit  Die Wahrheit in Shairia ist täglicher Nebel, Armut, strenge Regeln. Ein Herrscher, der das Volk mit eiserner Hand führt. Alle wissen, daran sind diese Hexen schuld. Als das Team von einer alten Frau über ihre Absichten unterrichtet wird, offenbart sie sich als Hexe. Sie ist aber freundlich, hat Plätzchen gebacken und gibt sich auch sonst fürsorglich. Eine gute Gastgeberin. Dann dreht sie den Spiess um, denn sie sei nichts weniger als eine Hexe. Die jungen sind verunsichert, schlucken schliesslich die Botschaft.

Die vier Protagonisten fühlen sich nun wie in dem eingangs erwähnten Beispiel. Es hebt sich ein lange festgesessener Nebel. Sie wissen nicht, warum sie auf der rechten Seite des Zauns laufen. Linker Hand ist es doch viel schöner. Die Realitäten jedoch spielen sich auf ihrer Seite ab. In beiden Fragestellungen zeigt sich die erfolgreiche Mission der beiden Autoren. Die Charaktere sind als einfache Menschen beschrieben, denen wir durchaus auch im Leben begegnen könnten. Das macht die Erzählung glaubwürdig. Wie von magischer Hand schliessen sich die Fallgruben. Der Leser schreitet darüber, wundert sich, liest, blättert um, blättert schon mal vor. Das bringt jeden geneigten Leser dem von den Autoren genannten Ziel näher. Das ist zu glauben, dass jedem von uns, jung oder alt, ein Ziel, ein Sinn im Leben prophezeit ist. Zum Schluss das Fazit, Damaris Kofmehl muss eine Schriftstellerin sein, die an das glaubt, was sie schreibt. Dark City ist eine berührende, packende Geschichte!

gedankenverbrecher für das team fantaster

 

Besprechung Drachenland von Preiss/Reaves auf seitentrotter

Posted in buchinterpretationen on Oktober 2nd, 2019

B.Preiss, J.M.Reaves/ Preiss auf Wiki, Reaves auf Jedipedia/ Drachenland c Econ Verlag 1997/ Titel des amerikanischen Originals: Dragonworld/ aus dem amerikanischen von Karin Polz/ Illustrationen von Joseph Zucker/ softfax S. 464

Drachenland- ein Jerry Cotton der High Fantasy

Ein Buch ist das Tor zu einer vergessenen Welt. Titel auf Buchrücken erzählen von dem Schimmer unentdeckter Geschichten. Fremdartige Sphären durchdringen den Raum, betören die Sinne. Die Welt der Bücher heisst den Besucher warm willkommen, berührt ihn, entrückt ihn. Plötzlich ist der Schritt in ein Abenteuer ein Handgriff entfernt.-

Einmal umgeblättert, entführt der High-Fantasy-Roman Drachenland, von den amerikanischen Autoren Preiss/Reaves, mitten in die Auseinandersetzungen zweier Völker, mitten in das Rätsel von ungeklärten Todesfällen.

 

Der Winzling Amsel lebt als erfinderischer Einsiedler in Fandora. Das Volk besteht aus Bauern, Fischern und Handwerkern. Johan, der Sohn eines Ältesten, stürzt eines Tages mit einem von Amsel gebauten Fluggerät vor den Klippen zu Tode. Amsel wird belastet, eine Schuld am Tode des Jungen zu haben, ein Spion zu sein. Er flieht über die Meerstrasse nach Simbala. Auch dort wird der gerade eben eingesetzte Monarch mit einem unerklärlichen Todesfall eines Kindes konfrontiert. Während nun Simbala nach den Gründen forscht, sieht Fandora seinen Nachbarn als Ursache für die Morde und zieht gegen ihn in den Krieg.

Weit entfernt, über das Meer im Norden, leben Wesen, die die Völker nur noch aus den Legenden kennen. Sie gaben mit ihrem Drang zu überleben den eigentlichen Ausschlag für die bei den Menschen anstehenden Rätsel. Und es ist der Winzling Amsel, der durch seine Reise Aufklärung in die wirklichen Todesursachen der Kinder bringt.

Dabei haben sich Preiss/ Reaves darum gekümmert, verschiedene Seiten der Geschichte in Worte zu fassen. Drachenland ist die Geschichte des Winzling Amsels, der, genötigt seine Heimat zu verlassen, eine Schlüsselfigur zur Lösung der aktuellen Krise ist. Dann ist es der Blick auf das Volk der Fandoraner. Ein Landvolk, ohne grosse Kulturgüter. Einer davon ist Jondalrun, ein Ältester, Vater des verunglückten Johan und Antreiber zum Krieg. Der Roman Drachenland ist auch die Geschichte des Königshauses in Simbala. Dort ist zurzeit, sehr zum Ärger des Adels, ein ehemaliger Bergmann an der Macht. Das allein ergibt genug Stoff, um die Seiten mit Intrigen zu füllen, ausgeführt von der Prinzessin persönlich. So ist eben Drachenland auch die Geschichte des jungen Monarchen Falkenwind, der gleich an zwei Fronten antreten muss. Gegen die Fandoraner und gegen die Verschwörung von Innen. Zuletzt ist Drachenland die Geschichte von uralten Wesen, den Drachen. Ihr Bestand ist gefährdet. Sie müssen handeln. Sehen dabei den Menschen als Feind.

Die Zusammensetzung der verschiedenen Textteile, den gewählten Stil, kann man als Jerry Cotton der High Fantasy bezeichnen.  Edle, Gute, Böse, Zweifelhafte- alle bekommen sie kurz und knapp umrissen über ein bis zwei Seiten einen Lebenslauf. So ergibt sich für alle möglichen Akteure ein Bild, sodass man dessen Entscheidungen nachvollziehen kann. Dabei muss man sich aber als Leser nicht mit überzeichneten Lebensläufen und kratertiefen Beziehungsknorzen abfinden. Der Plot ist eher ein sanfter Wellengang, bis zum tosenden Brecher. Kein Unterbruch durch langweilige Konversationen und Gefühlsduselei oder zu lange Landschaftsbeschreibungen. Eine konsequente Umsetzung, ein stetes forttreiben der Handlung, von leichter bis voller Spannung.

So ist Drachenland gut mal zwischendurch lesbar. In der Hektik des ÖV`s, während der Mittagsmalzeit, vor dem Einschlafen. Die Autoren haben sich an die Devise gehalten, die schon Tolkien vorschwebte. Die Lösung von weltumspannenden Konflikten durch einen vermeintlich schwachen Protagonisten darzubieten. Darum ist es ein Fantasy Roman für Jung und Alt, eine All-Age-Fantasy Geschichte. Ein Buch, das zum Träumen einlädt, unterstützt durch schwarz weiss Bleistiftzeichnungen, die es zu einem doppelten Lesegenuss machen.

Pilger Jack

ian morson und im namen des falken: eine besprechung

Posted in buchinterpretationen on September 18th, 2019

Ian Morson/ Morson auf Wiki/ Im Namen des Falken c 1995, Goldmann Verlag/ Originaltitel: Falconers Crusade/ Deutsch von Bruno Genzler/ softfax S.220

Logik kontra Aberglaube- eine Stadt muss sich entscheiden

Hat auch schon ein Literat die Meinung geäussert, Romane aus der Vergangenheit seien unnötig, weil nicht gegenwartsrelevant. Kann man die Aussage kundtun, zeitkritische Handlungen wären langweilig, weil spannungslos. Soll man die Haltung haben, Bestseller garantieren noch keine Qualität, weil von der Masse gelesen. –

Der Buchrücken von „Im Namen des Falken“ gibt die Marschrichtung vor. Dort steht ein Zitat der Oxford Times: -Morson ist besser als Peters-. Der Vergleich eine Kampfansage vom hohen Pferd herab. Das Buch, die erste von acht Geschichten um den Regent Master William Falconer, der es nicht lassen kann, Verbrechen aufzuklären.

Der Student der freien Künste, Thomas Symon, wird im mittelalterlichen Oxford des Jahres 1264 Zeuge eines Mordes. Eine Dienerin eines Regent Masters liegt mit offener Kehle im Dreck einer Gasse. Diese Tat belastet das ohnehin schon angespannte Verhältnis von Universität und Stadt. Es ist William Falconer, der die Tat aufklärt. Dabei setzt er in seiner aristotelischen Weise auf deduktive Logik. Er hat gelernt, vom allgemeinen auf die Details zu schliessen, die Fakten zu verknüpfen. So kann er den Täter entlarven. Das ist auch nötig, denn es werden noch weitere Morde geschehen, wenn sich Falconer nicht sputet. Ihm zur Seite steht der Student Thomas Symon, der sich wiederholt auf eigene Faust aufmacht.

Ian Morson erzählt dabei mit der Leichtigkeit eines gewandten Geschichtenerzählers. Es ist das England des 13.Jahrhunderts. König und Barone streiten um die Macht. Die Erde ist noch keine Kugel. Söhne aus dem einfachen Volk brauchen einen Gönner, um studieren zu können. Den Juden werden schlimme Taten angedichtet. Strassen und Wege sind noch nicht gepflastert. Hinter den Mauern herrscht Kälte, nur erwärmt von einem Feuer. Es ist mehr als ein Hauch, den Ian Morson in seinem Romanerstling vermitteln kann.

Und um auf die Andeutungen in der Einleitung zu antworten. Dieses Werk bietet dem aufmerksamen Leser mehr als bloss Unterhaltung mit historischem Hintergrund. Und sei es nur zu Lernen, dass mit Fakten eine Menge an Aberglauben bekämpft werden kann. Wissen ist nicht nur Macht, Wissen setzt auch frei. Damals wie heute soll damit Verleumdung und üble Nachrede entlarvt werden. Damals wie heute, stehen wir oft allein, wenn wir Behauptungen gegenüber stehen. Da brauchen wir einen Falconer, in Form von logischem Denken, der oder das, Licht in ein diffuses Dunkel zu werfen vermag.

für das team fantaster: gedankenverbrecher

krimi: besprechung r.zehnders müller voll basel

Posted in buchinterpretationen on August 6th, 2019

Raphael Zehnder/ Zehnder bei Wiki/ Müller voll Basel, c emons 2018/ Kriminalroman/ softfax S.251

Ausser Zürich – ein Polizist im Nordwesten

Ein Kriminalroman lebt von der Drohkulisse. Sie dient als Hintergrund für verbrecherische Taten. Eine heile Bergwelt lässt gesetzlose Aktionen verschwinden; in linksautonomen Kreisen findet Gewalt ein Versteck. Der Autor Raphael Zehnder reisst seinen Polizeimann in „Müller voll Basel“ aus dem gewohnten Umfeld und versetzt ihn nach Basel. Eine Stadt mit für einen Zürcher befremdlichen Schattierungen.

 

In Basel angekommen befasst sich der Polizeimann Müller-Benedict mit dem ersten Fall. Ein junger Mann aus bevorzugten Kreisen liegt erschossen in einer Industriezone. Die Spur führt über die Kantonsgrenze beider Basel. Zuständig für die Beweisaufnahme ist in dem Fall derjenige Kanton, in dem das Opfer wohnte. Dies ist Basel Stadt und somit ist es ein Fall für den neuangestellten Müller. In einer Studenten WG, bei einem Bundes-Parlamentarier und in einer noblen Altersresidenz nehmen die Fahnder die Ermittlungen auf. Dabei wollen die gefundenen Spuren nicht zu den Fakten, und die Fakten nicht so recht zum Motiv eines möglichen Täters passen. Was also hat den jungen Mann in diese Situation getrieben?

Die Kulisse für diesen Krimi besteht zum Teil aus der Spannung die entsteht, wenn ein Zürcher Basel betritt. Kein See, aber einen Fluss, und der Fussball, darüber redet man nicht, ausser positiv. Der andere Teil besteht aus der undurchsichtigen Familienkonstellation des Opfers. Gut betucht, Vater Bundespolitiker mit einem gut abgeschotteten Wohnsitz gegen bürgerliche Eindringlinge. Da braucht es eine gute Portion Müller, um an Antworten zu kommen.

Der Reportage Stil ist eine weitere Dimension, die dem Roman eine spezielle Note verpasst. Über weite Zeilen keine langen Sätze, sondern wortreich Szenen und Zusammenhänge in kurzen Worten. Die Sprache zum besseren Verständnis oft mit Symbolen unterstützt. Ein Rausch an Bildern, ein Tornado, der die Eindrücke der verschiedenen Blickwinkel kunstreich zu einem Erzählstrang kittet. Gespickt mit Zitaten, Bonmots und lateinischen Floskeln.

Das Buch ein William Gibson der Krimikunst. Die Ermittlungen reich und detailliert aus verschiedenen Blickwinkeln und Personen beschrieben jedoch arm an aktionsreichem Geplänkel. Aber noch viel wichtiger: Die Kulisse, das drohende Szenario verblasst am gewöhnlichen Motiv des Täters. Die Auflösung des Mordes einfacher als die entwickelte Geschichte suggeriert.

für das team fantaster: sir starkweis

 

buchinterpretation: mateescus könig von wiedikon

Posted in buchinterpretationen on Juli 25th, 2019

Mike Mateescu/ Mateescu bei hello zürich/ Der König von Wiedikon c emons 2018/ softfax S.255

 

Zwinglistadt und die Knute der Linksaktivisten

Der Messias Jesus gab seinen Vertrauten einmal den Auftrag, in Jerusalem einen Raum für das Abendmahl zu finden. Zur Zeit der Reformation wurden Kirchen geräumt, um wieder Raum für das Eigentliche zu haben. Fern der Religion hat sich im postindustriellen Zürich das Wesen der Freiheit weiterentwickelt. Der Schriftsteller Mike Mateescu hat das Lebensgefühl der zürcherischen Metropole in seinem Kriminalroman „Der König von Wiedikon“ eingefangen.

 

Der Eventmanager und Partykönig Hans-Ueli „Hukki“ Zünd wird in einem besetzten ehemaligen Industrieareal tot aufgefunden. Die Ermittlungen der Stadtpolizei Zürich und der Detektivin Enitta führen in die Szene von Linksaktivisten. Im Dunkeln liegen die Absichten der Autonomen und machen die Stadt zu einem Irrgarten der Emotionen. Zürichs Bürger fühlen sich nicht mehr sicher. Was genau verbirgt sich hinter der Fassade des vermeintlichen Kulturraums? Was ist eigentlich das Vermächtnis des Partykönigs Zünd? Neben all den Fragen, die die Ermittlungen stellen, muss sich Enitta die Detektivin, noch mit der dunklen Vergangenheit ihrer Schwester Janita auseinandersetzen.

Ernst Sieber war Stadtoriginal und Obdachlosenpfarrer. In seinen Botschaften verwendete er oft einen Holzrahmen, in den er den Kopf stecken konnte. Dann nahm der den Rahmen und verwandelte ihn vor den Augen der Zuhörer in ein Kreuz. Der Rahmen stehe für die Zwänge in denen so manches Leben stecke, das Kreuz für die Freiheit.

Freiheit und Autonomität für ihren Kulturraum fordern in der Geschichte von Mike Mateescu die Linkschaoten in Zürich. Unbehelligt von Gesetz und Öffentlichkeit entwickelt sich ein alternativer Kulturraum. So weit so gut. Der Zweck heiligt aber nicht die Mittel und der Autor beschreibt einiges an krimineller Energie, mit der sich die Protagonisten zu Werke machen. So endet der Kampf in illegalen Demos. Gebäude werden in Mitleidenschaft gezogen, Menschen sterben. Selbst Hukki Zünd musste vor seinem Tod tief in die Trickkiste greifen, um sein Vermächtnis umzusetzen. Das seine Absichten nicht lupenrein waren, verleiht der Erzählung zusätzlich einen Schuss Anarchie.

Um ein freiheitliches Leben zu führen, hat sich auch Enitta von ihrer Informatiker Laufbahn distanziert. Sie lebt mit einem Velokurier zusammen und widmet sich mit Hingabe den Ermittlungen rund um den Mordfall von Ueli „Hukki“ Zünd.

Zürich ist der Ort der verschiedenen Stadtteile, der Ort einer überalterten Infrastruktur. Der Platz gewachsener Industriekultur, ein Sammelbecken für vom Staat gezeichnete Lebensläufe. Der Roman in seinem Wesen ein Aufschrei über das Anderssein in einer bürgerlichen Gesellschaft. Die Geschichte erlaubt einen Blick hinter autonome Fassaden, geschrieben von einem Kenner der Stadt Zürich der Gegenwart. Nicht unbedingt ein Hort für kriminologische Raffinessen, aber eine Tiefe an Szenenkenntnis. Ein Blick hinter die Kulissen der grössten Stadt der Schweiz. Eine urbane Offenbarung.

für das team fantaster: blogunkel

Interpretation von Ph.Gurts Bündner Treibjagd

Posted in buchinterpretationen on Juli 10th, 2019

Philipp Gurt/ Gurt auf Wiki/ c Emons Verlag 2019/ Kriminalroman/ softfax S. 303

 

Tagwacht im Schweizer Berguniversum

Schon mehrere Geschichten hat  der im Bündnerland aufgewachsene Autor Philipp Gurt  veröffentlicht und liefert mit dem aktuellen Kriminalroman „Bündner Treibjagd“ eine packende Erzählung. Sie wickelt sich ab wie das Intro im Vorspann zu Star Wars und führt zu verbrecherischen Taten mitten in einem zeitlosen Berguniversum. Ausgangspunkt der Fahndung ist Chur, die Hauptperson Giulia de Medici, Ermittlerin der Kantonspolizei Graubünden.

Mitten in einer traumhaften Bergwelt, unberührt von menschlichen Absichten eröffnet Philipp Gurt eine Symphonie des Grauens. Ein Anwalt – er trägt Spuren der Gewalt am Körper –  wird in der majestätischen Hochebene Greina aufgegriffen. Im Bündner Nationalpark ist eine ehemalige Sportlerin auf der Flucht. Die beiden Opfer zeigen Gemeinsamkeiten mit  nicht aufgedeckten Verbrechen der Vergangenheit. Ein Fall für Giulia de Medici, die Ermittlerin der Kapo Graubünden, und für Sigron, den bulligen aber menschenfreundlichen Polizisten. Ein Fall für ein Polizeigespann, das bereit ist Überstunden zu machen und auch am Feierabend zu schnüffeln.

Dabei sind es drei separate verbrecherische Geschichten, die Philipp Gurt in Bündner Treibjagd rund um die genannten Opfer aufgleist. Zum einen erzählt der Autor das Einzelschicksal eines Einsiedlers im Nationalpark. Geschickt verwoben in das ganze Geschehen rund um die Ermittlungen von Giulia de Medici. Zum andern ist es die zerstörte sportliche Zukunft einer Biathletin, die zur Jagd auf verbrecherische Taten laden. Und zuletzt führen die Spuren ins Darknet. Zu menschlichen Abgründen am Rande des erträglichen.

Der Autor ist ein Eingeborener und hat es verstanden, die Weite und Abgeschiedenheit seiner Heimat mit den kriminellen Absichten seiner Akteure zu verbinden. Das Glühen der Matten, das Rauschen der Bäche, die Majestät der Gipfel- der Hintergrund um nicht lupenreine Absichten zu verbergen. Ein Universum um Spuren ins Nichts laufen zu lassen. Die Abgeschiedenheit, in die sich Menschen vor dem Gesetz flüchten.

Und so muss dann auch Giulia de Medici, um die entscheidende Erkenntnis zu gewinnen, sich immer wieder aufmachen. Die Orte des Geschehens aufsuchen. Dort unterwegs sein, wo die Täter hoffen ihr Tun verwischen zu können. Über lange Stunden zu Fuss die Wege abgehen, auf und neben den offiziellen Routen. Das ist aber alles kein Problem für eine Ermittlerin ihres Formats. Gulia kennt seit der Fallübernahme nur ein Ziel: Licht ins Dunkel zu bringen. Befreiung für die zu Unrecht beschuldigten, Haft für die eigentlichen Täter!

Gezeichnet: gedankenverbrecher

Interpretation von Sterlings Schismatrix

Posted in buchinterpretationen on Juni 27th, 2019

Bruce Sterling/ Sterling auf Wiki/ Schismatrix, c Argument Verlag 2000/ Titel der amerikanischen Originalausgabe: Schismatrix/ Deutsch von Hannes Riffel/ softfax 381

Der Mond ist nicht genug

Die Welt ist nicht genug, ist der Titel eines James Bond Films. Der Bösewicht in einer Hand ohne Gespür für Schmerzen. Das Empfinden für jegliche Gefühle könnte durch chemische Substanzen oder kybernetische Technik verändert worden sein. Das Werk eines Gestalters oder eines Mechs nach der Definition in Bruce Sterlings Werk Schismatrix aus dem Jahr 1985. Die tonangebenden Klassen in einer entarteten Gesellschaft.

Die Geschichte so spannungslos wie interessant. Interessant in ideologischen Fiktionen. Fade und langweilig was die Handlung betrifft. Zu vergleichen mit den Plots von William Gibson. Beide Meister in der Schichtung kultmässiger Szenen.-

Bruce Sterling beschreibt die Auseinandersetzung zweier Gesellschaftsklassen fern der Erde in weiter Zukunft. Die alte Scholle? Es gibt sie noch, und sie ist auch noch hie und da bewohnt. Der Zugang jedoch für die in den Weltraum enteilten ist untersagt. Im Sonnensystem verteilt lebt die Menschheit in zwei ideologischen Hauptgruppen, den Gestaltern und den Mechs. Die ersteren setzen auf Gentechnologie und Gehirnmanipulation, die letzteren auf Kybernetik und Prothesen. Alles um in ferner Zukunft ein Leben für ein paar Jahrzehnte mehr zu haben.

Die Geschichte beginnt auf einem Mondorbital. Abelard Lindsay ist ein aristokratischer Gestalter, der eine Ausbildung zum Diplomaten durchgemacht hat. Dies gilt ebenfalls für seinen Jugendfreund Constantine. Die beiden sind Subversive, solche die gegen die herrschenden Klassen rebellieren. Jedoch mit verschiedenen Absichten, wie sich bald zeigen wird. Die Freundschaft verwandelt sich bald in Feindschaft und Abelard muss fliehen. Constantine strebt ein totalitäres Regime an, während Abelard das Leben liebt.

Die Flucht führt Lindsays durch das bekannte Sonnensystem. Vom Orbital des Mondes zu einem andern. Von der Union der Mondrepubliken – mit der Heimat beraubten Piraten – zu einem Planetoiden. Es ist ein Vorposten der Gestalter, in dem zu einem Kartell zusammengefassten Planetenverbund der Mechs. Als gelernter Diplomat, und als Gestalter mit besonderen geistigen Fähigkeiten ausgerüstet, erarbeitet sich Lindsay überall besondere Stellungen. Aussenminister, Kulturbeauftragter und eben Diplomat.

Dann tauchen Fremdlinge auf, Investoren genannt, Ausserirdische. Ihr Einfluss beschert der Zivilisation im Weltraum einen Scheinfrieden, Schismatrix genannt. Ein erzwungener Friede zwischen den Klassen der Gestalter und der Mechs im Angesicht der Investoren. Als dieser bröckelt, flieht Lindsay aus seiner angestammten Position. Und immer noch ist da Constantine, der ihn beseitigen will. Lindsay hält jedoch an seinen Absichten fest. Er sucht nach einer Form des Lebens.  Er sucht nach ursprünglichem Leben. Mehrfach durch Gentechnologie verjüngt, geht es doch langsam seinem Ende als Mensch zu. Abelard Lindsay findet jedoch eine Lösung und ermöglicht einem Kreis von Vertrauten neues Leben. Lindsay selber entscheidet sich für einen anderen Weg. Ein Weg, der ihm schon das ganze Leben auf den Leib gezeichnet war.

Schismatrix ist nun nicht ganz so spannungslos, wie man nun annehmen würde. Sterling beschreibt auch Kampfszenen. Dann, wenn die Piraten im Auftrag der Mechs gegen die Gestalter vorgehen. Ansonsten bezieht die Handlung Spannung aus den gegensätzlichen Ansichten der Menschen die aufeinanderprallen. Der menschenfreundliche Lindsay, der sich gegen den faschistischen Jugendfreund durchsetzen muss. Das Ringen um die erfolgreiche Verjüngung des Lebens durch Gentechnik oder Kybernetik. Die Investoren als übermächtiger Gegenpart zur Zivilisation der Menschen im Sonnensystem. Die jeweilige Flucht Lindsays, wenn sich die politischen Umstände ändern.

So ist Schismatrix ein Roman der aus einer intellektuellen Sicht gelesen werden muss. Es ist nicht eine abenteuerschwere Erzählung, die in Tiefen und Höhen reisst. Die Zeilen laden ein, an einem Setting teilzunehmen. In die Runde von Gesprächsteilnehmern zu sitzen. Zu lauschen, zu fühlen und zu verstehen, wieso die Welt so schwierig ist. Gedankenschwere statt Handlungsakrobatik. Keine Empfehlung für eine leichte Freizeitlektüre. Nach dem Beschrieb auf dem Buchrücken ein Social Fantasy Roman. Ein Roman, dessen dicke Suppe mit emotionalen Brocken versehen ist. Jeder Happen die Begegnung mit einem geistlichen Schwergewicht. Eine Sitcom für eine Spezialeinheit. Thema der Gespräche die Lösung von komplexen Zukunftsfragen. Keine niederschwelligen Alltagssorgen. Das Ende der Geschichte hängt wieder in einem Netz von ungelösten Fragen. Die Welt, der Mond, die Technik; dies alles ist niemals genug. Es braucht ursprüngliches biologisches Leben. Für Lindsay bedeutet es den Schritt auf eine neue Ebene, die er durch die Investoren findet.

psychodoc für das team fantaster

Angelo Nero: Feuer und Finsternis Trilogie Bd.2- Der Nekromant

Posted in buchinterpretationen on Mai 28th, 2019

Angelo Nero/ Feuer und Finsternis Trilogie/ Buch eins: Sohn des Drachen, hier Buch zwei: Der Nekromant/ 1.Auflage Oktober 2018/ Cover: Selina Bachmann/ eine Angelo Nero Produktion/ Softfax S. 174

Dunkle Dichtung eines literarischen Rock`n`Rollers

Rock`n`Roll begründete der Jugend vor der Jahrtausendwende ein neues Lebensgefühl. Es war Larry Norman, ein Vorreiter der christlichen Rockmusik aus den 1980er Jahren, der sagte: „Warum sollte der Teufel all die gute Musik haben?“. Für den Liebhaber von Literatur ist ein gutes Buch Musik in den Augen. Angelo Nero, der Schweizer Fantasy Autor mit christlichem Hintergrund, bezieht Stellung und sagt: „Das Feld sollte man auf keinen Fall dem Feind überlassen!“ Mit „Sohn des Drachen“, hat  Angelo Nero eine fantastische Schweizer Sage eröffnet. Weiter geht es in der Feuer und Finsternis Trilogie mit Band zwei: „Der Nekromant.“

Rückblick: In Band eins,  „der Sohn des Drachen“, werden die Umstände und Fügungen beschrieben, die Sariel il Nero zu dem machen was er ist, der Fürst der Angelus Excubitor. Drachenbändiger und der Vorsteher einer Bruderschaft, die im Heiligen Römischen Reich finstere Mächte bekämpfen. Es ist das 15.Jahrhundert nach Christus, dunkles Mittelalter.

Sariel und Vlad – der aus der Gefangenschaft der Osmanen befreit wurde – werden an den Zürichsee gerufen. Eine Adelsfamilie fühlt sich von einem Hexenzirkel bedroht. Die beiden Helden tun ihre Pflicht und kehren dann auf den Drachenhorst zurück, den Sitz der Bruderschaft. Vlads gebaren innerhalb der Bruderschaft wird zunehmend geheimnisvoller, und seine Entscheidungen haben für die Angelus Excubitor schwerwiegende Folgen.

Besprechung: Der Clown und der Autor haben eine Sache gemeinsam. Es sind Berufe, die man nicht lernen kann, man muss sie können. Erfolg oder Misserfolg ihrer Werke ist an ihre natürliche Gabe gebunden. Eine Gabe, die sich durch Authentizität kundtut. Eine Mucke, das deutsche Wort für gute Musik ab der Dose, die vom ersten Ton an überzeugt. So liest sich Angelo Neros Band zwei der Feuer und Finsternis Trilogie: spannend, fesselnd, attraktiv.

In der Besprechung zu Band eins, der Sohn des Drachen, wurden vor allem die der Fantasie geschuldeten Elemente besprochen. Hier soll es jetzt – im Hinblick, dass Angelo Nero ein Autor mit christlichem Hintergrund ist – um die Kriterien der Entwicklung einer guten Beziehung und die vermittelten christlichen Werte gehen.

Wie schon in der Besprechung zu Band eins erwähnt, hat der Autor mächtig am Schalter gedreht, wenn es um übernatürliche Konflikte geht. Nichts lässt Angelo Nero anbrennen, wenn Menschen aus den Zwängen von finsteren Mächten befreit werden sollen. Ein düsterer, unheimlicher Volltreffer. Nebenher lesen sich die Zeilen um die wichtigsten Wesen und Charaktere des Buches, als wären sie fertige Ideen aus dem Fantasy-Regal des Literaturladens. „Eine Geschichte“, würden wir rufen. Verpass dem Drachen und Sariel eine Geschichte. Wie sie lernen einander zu vertrauen! Eine gute Beziehung definiert sich im realen Leben durch gelebte Erfahrung. Vlad und Sariel haben eine gemeinsame Geschichte. Die Flucht aus dem osmanischen Reich. Aber nicht der Drache. Er ist jung, er kann fliegen, er gehorcht Sariel, das ist alles. Eine gute Beziehung pflegt der Fürst zu Heinrich, dem Waffenmeister. Von ihm nimmt er stets einen Rat an.

Die Entwicklungen der Charaktere Sariels und Vlads sind gegensätzlich. Während Sariel stets offen kommuniziert, versteckt sich Vlad und schmiedet geheime Pläne. Es ist das höchste an christlicher Gesinnung, dass Sariel ihn gewähren lässt und an ihn glaubt. Als er ob der Motive Vlads im Dunkeln tappt, verliert er doch keine Sekunde daran, seinem Freund in der Notlage zur Seite zu springen. Und wenn es klappt, und Sariel Vlad retten kann, ist die Geschichte in Teil drei an Tiefe nicht mehr zu toppen. Angelo Nero hat dann ganze Arbeit geleistet. Er kann es in der geistlichen Welt knallen lassen und hat mit der Freundschaft von Vlad und Sariel seine Geschichte mit Tiefe zementiert.

Zum Schluss sollen die Antworten zu den drei Fragen vom Ende der Besprechung von Band eins stehen: Die Beziehung zu Vlad ist nicht gerissen aber ziemlich erschwert. Der Drache ist bei Sariel gut aufgehoben und die Angelus Excubitor stehen unter der Leitung von Sariel auf sicherem, neutralem Boden.

gedankenverbrecher