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krimi: der wille des volkes von ch.lewinsky, eine rezension

Posted in buchinterpretationen on Dezember 4th, 2019

Charles Lewinsky/ Lewinsky auf Wiki/ Der Wille des Volkes c dtv 2019/ Ein Schweizer Regionalkrimi/ softfax S.384

Politiker Wille unter der Krimiwelle

 

Einleitung Was unterscheidet eigentlich das Groschenheft Jerry Cotton von den anderen Krimis? Die Antwort ist so banal wie grundsätzlich, denn es ist nur die Platzierung eines Verbrechens. JC und sein Kollege Phil Decker sind nämlich meist dem organisierten Verbrechen auf der Spur, emotional, stilsicher, wortgewandt. Alle anderen, der grössere Haufen der Ermittler, die hauptsächliche literarische Sparte Krimi, nimmt sich mehr den verwerflichen Taten einzelner Bürger an. Einer davon ist Charles Lewinsky, freier Autor und Dramaturg, der sich in eigenen Worten, wohl an den einzigen Krimi, den er je schrieb, gemacht hat: Der Wille des Volkes, aus dem Jahr 2017.

 

Handlung  Der sich im Unruhestand befindliche, pensionierte Journalist, Kurt Weilemann, hat noch nichts von seinem Berufsinstinkt eingebüsst. Ein täglicher Frust, dass  er nur noch als Texter für Nachrufe benötigt wird. Dann jedoch wird ein Berufskollege tot aufgefunden, und Weilemann mag dem Bericht der Polizei keinen Glauben schenken. Selbstmord! Nicht dieser Kollege, denkt Weilemann, und macht sich auf den Weg seiner journalistischen Spürnase zu folgen. Dabei stösst er auf so einige Ungereimtheiten. Eine geheimnisvolle Frau, die angibt, ihm helfen zu wollen; ein störrischer Sohn, dem er eigentlich nicht begegnen will; ein kauziger Autor, der sich in einer Seniorenresidenz versteckt. Die Nachforschungen führen Weilemann direkt in das undurchdringliche Dickicht einer von langer Hand geplanten Parteistrategie. Was hätte verschwiegen bleiben sollen, tanzt dem altersmüden Journalisten zuweilen einen ganz gehörigen Tango. Die Indizien werfen ein neues Licht auf einen tief in der Vergangenheit verorteten Fall. Weilemann ist auf der Spur, denn die Kratzer an diesem vergangenen Fall haben sein Interesse für eine gute Story geweckt.

Besprechung Der Wille des Volkes ist die „One-Man-Show“ eines pensionierten Journalisten. Weilemann lebt zurück- und auf sich selbstbezogen in einer Wohnung, die er sich gerade noch leisten kann. Redaktionen denken nicht mehr an ihn, ausser wenn es um Nachrufe geht. Dabei ist Weilemann, zumindest was den Geist betrifft, noch Fit, sieht sich dauernd Wortbilder auf den Gehalt prüfen. Jedoch ist sein Beziehungsnetz arg im Eimer. Er muss sich fragen, warum er von den meisten seiner ehemaligen Kollegen nicht mehr weiss, als den Namen. Aber vor allem nagt es an seinem Berufsstolz, dass er nicht mehr richtig gebraucht wird. Dabei ist er ein Journalist alter Schule, weiss durchaus noch richtig von falsch zu unterscheiden, zumindest wenn man die Fakten zu einem Fall genau betrachtet. Wie bei Derendinger, als man ihn tot aufgefunden hat.

Dabei beschreibt Charles Lewinsky ein dystopisches, düsteres Zürich. Es ist eine dem rechten Flügel verschriebene Partei, die im ganzen Land den politischen Willen diktiert. Im Namen des Volkschutzes wird der Bürger überwacht. Es hat Kameras an allen Ecken und Winkeln. Autos und Busse fahren selber, das Leben ist von den Strassen verschwunden.

Auf dieser Basis jagt Charles Lewinsky die Hauptfigur, Weilemann, durch die Strassen Zürichs. Weilemann ist kein Held, keine heroische Identitätsfigur. Vielleicht am besten vergleichbar mit Spider Man. Er ist ein normaler Mann, gebissen von einem übergrossen Arbeitsreflex, der Wahrheit auf den Grund zu gehen, wenn man sie partout verheimlichen will. In seiner Rolle gezeichnet als ein alter, gebrechlicher Mann, dem man nichts mehr zutraut, wenn man ihn sieht.

Dabei wird der Protagonist getragen von einem Plot, der wie eine Welle ist, von klein zu gross, und trifft sie auf den Strand, vermag sie auch noch das kleinste Sandkorn umzudrehen. Eine feine Klinge führt der Autor, um ein anderes Bild zu gebrauchen, und lässt die Spannung steigen. Kapitel um Kapitel, auch das sei zu erwähnen, sie kommen in der Eröffnung ohne verträumte Stimmungsbilder aus, steigt der Autor in die Hosen, fügt der Handlung Schicht um Schicht die nächste Erkenntnis zu. Bingo, der beflissene Leser muss innehalten, verträumt zum Fenster rausschauen, und die vertrackten Verhältnisse in der Welt anhand des Romans bedenken.

Fazit und Empfehlung Der Plot lebt von einer durchdachten, krimiwürdigen Handlung, hat aber in Weilemann einen zwar intellektuellen, aber altersschwachen Charakter. Kein Tempo, keine Action in der Ermittlung, jedoch scharfsinnig in der Suche nach Fakten. Das Team Fantaster hat entschieden, es einen nostalgisch angehauchten, dystopischen Politkrimi zu nennen. Gut zu lesen als Zusatzlektüre zur Zeitung, und witzig für solche, dem Journalistengenre verhaftete.

psychodoc für das team fantaster

karl may und der friede auf erden, bd 30 im netartstyle

Posted in netart on Dezember 4th, 2019

ein bischen friede, ein bischen freude

verreimt im wort, vertont im song

ein licht ins dunkel des heute

eintritt ins leben durch den emo-glockengong

lewinskys wille in showcase netartstyle

Posted in netart on Dezember 3rd, 2019

ein alter fuchs ist der weilemann

auf fährte wegen des volkes wille

die story ein nostalgischer kriminalroman

leben ohne schreiben, ne bittre pille

starkweis: der wahrsager und der esel

Posted in psychodocx nebenwort on Dezember 2nd, 2019

Der Wahrsager und der Esel

Der Gasterzähler jhomester alias starkweis auf psychodocs nebenwort

Es war die Zeit der zweiten Runde. Die Israeliten waren, nachdem sie aus Ägypten auszogen, schon eine ganze Weile unterwegs. Eine riesige Menge, ein grosses Volk; Kinder, Ältere, Tiere, einfach alles. Viele Male schon hatten sie Wunder erlebt, wie Gott sie in der Wüste versorgt hatte, mit Manna, mit Wasser. Da standen sie dann irgendwann vor dem verheissenen Land, dem Land, das Gott ihnen geben will. Sie könnten den direkten, kurzen Weg nehmen. Sie schickten aber zuerst Kundschafter aus, darunter Kaleb und Josua. Der Bericht von dem Land musste das Volk schockiert haben. Da sind befestigte Städte, gewaltige Krieger, da können wir nicht einfach so einmarschieren, sagten die Kundschafter, indem sie sich von den Umständen beeinflussen liessen. Sie  bezogen sich auf das vermeintlich Negative. Nur Kaleb und Josua sahen das Positive, ein Land, das von Milch und Honig fliesst, das Gott versprochen hatte, ihnen zu geben!

So kam es, dass das ganze Volk weiterziehen musste, sie mussten nochmal eine Runde in der Wüste drehen. Eben eine zweite Runde, denn Gott war so zornig, dass er sich geschworen hatte, keiner von diesen Ungläubigen  in Kanaan einziehen zu lassen. Nur die jungen, die nächste Generation, wird das Land sehen. Auch nicht Mose und Aaron werden es betreten. Sie mussten also nochmals für Jahrzehnte in der Wüste bleiben. Sie erreichten schliesslich das Jordantal, in der Nähe von Jericho. Ihr Weg durch die Länder des Ostens war natürlich nicht unbemerkt geblieben. Man fürchtete sich vor dieser riesigen Menge an Israeliten. Israel war zu diesem Zeitpunkt ja nicht mehr ein unorganisierter Haufen. Nein! Sie waren in Stämme eingeteilt, hatten ihre Aufgaben, und das wichtigste, sie hatten die Stiftshütte dabei. Der zeltartige Aufbau, der den Kontakt mit Gott ermöglichte und zur Anbetung diente.

Dort, in jener Gegend, waren auch die Moabiter zu Hause. Ihr Präsident war Balak. Als er das Heranrücken der Israeliten gewahrte, schickte er nach einem bekannten Wahrsager. Sein Name war Bileam, und er sollte im Auftrag von Balak auf einen Hügel steigen und Israel verfluchen. Da war jedoch nur ein Problem. Bileam war nicht irgendein Wahrsager. Als die Boten Balaks auftauchten, sagte er ihnen, er müsse zuerst Gott fragen. Und er willigte erst ein mitzugehen, als Gott ihm grünes Licht gab.

Und hier kommt der spannende Teil der Geschichte. Bileam reiste auf einer Eselin. Er wusste, er hatte von Gott die Freigabe, mit Balak zu gehen. Einzige Auflage war, nur das zu sagen, was Gott ihn auch beauftragte zu sagen, und nichts anderes. Auf dem langen Weg musste dem Bileam so einiges durch den Kopf gegangen sein. Es ist vorstellbar, dass, je weiter er kam, desto grösser seine Unsicherheit bezüglich der Worte Gottes wurde. Nur sagen, was Gott ihn hiess, zu sagen, war der Auftrag. Wer kann das schon umsetzen, in einem Land, das gespickt ist mit Götzendienst?

Dann, Bileam musste schon eine Weile gereist sein, wich die Eselin aus. Bileam schlug das Tier, damit es zurück auf den Weg gehe. In einer engen Passage in einem Weinberg, drängte die Eselin so nahe an einer Mauer vorbei, dass sich Bileam den Fuss schrammte. Ärger staute sich in Bileam. An einer nächsten Stelle warf sich die Eselin schliesslich zu Boden und Bileam wurde so wütend, er hätte seine Eselin umbringen können!

Wer die Geschichte kennt, weiss, dass die Eselin dem Bileam sein Leben rettete. Denn dort, auf dem Weg, war dreimal in Folge der Engel des Herrn erschienen, mit gezücktem Schwert. Er wäre gestorben, wäre er geradeaus geritten. Diese Geschichte hat die Kraft zu erheitern. Stellen wir uns vor, wir ritten nach Moab, und da legt sich dieses störrische Tier einfach auf den Weg. Dann beginnt sie auch noch mit Bileam zu sprechen, über seine ungerechte Behandlung. Und dass sie, die Eselin, ja Bileam immer treu gedient habe! Schliesslich öffnete Gott auch Bileam die Augen, er sah den Engel, der mit gezücktem Schwert mitten auf dem Weg stand. Gott hatte das Ganze arrangiert, um Bileam nochmal seinen Auftrag einzuprägen.

In unserem Leben wissen wir auch nicht immer, was gerade abgeht. Wir würden vielleicht auch manchmal erschrecken, wenn Gott uns die Augen für die Unsichtbare Welt öffnen würde. Dabei ist es manchmal als Christ schwierig, einfach zu vertrauen. Es ist aber so wie in der Geschichte mit Bileam. Gott kann durch Menschen, Tiere und Umstände zu uns reden. Um uns zu leiten, zu führen, hat er unendlich viele Möglichkeiten.  Nichts, ja gar nichts, ist ihm dabei nämlich unmöglich!

starkweis für das team fantaster