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tolkiens erbe stephen r. donaldson

Posted in buchinterpretationen on Februar 16th, 2018

Stephen R. Donaldson/ Donaldson auf Wiki/ Anthologie Tolkienserbe/ c 2005 Piper München/ Kurzplot Tochter der Könige, Donaldson/ Englischer Titel Daughter of Regals 1984/ Herausgeber Erik Simon und Friedel Wahren/ Softfax und Seiten der Kurzgeschichte: 130/ andere Autoren: Lord Dunsany, E.R.Eddison, Jack Vance, Michael Moorcock, Ursula K. Le Guin und weitere

  

 

Emanzipation im Land der Könige

Neben J.R.R. Tolkien ist Stephen R. Donaldson ein weiterer Gelehrter der Literatur, der sich abseits von akademischen Wegen fantastischen Geschichten widmet. Stephen R.Donaldson hat im Jahr 93 den Doktortitel in Literatur erhalten. Seine Begabung für belletristisches Schreiben stellte er jedoch schon früher unter Beweis. Mit „Tochter der Könige“ und anderen Geschichten erhielt Donaldson im Jahr 1985 den Balrog Award in der Sparte Beste Anthologie, auf Deutsch, beste Geschichtensammlung. Der Balrog ist jenes fürchterliche Feuerwesen, das  Gandalf  den Grauen in Tolkiens Geschichte „Herr der Ringe“, in den Abgrund von Moria zerrt. Den Balrog Award in andern Sparten hatten schon Stephen King und auch schon Tolkien erhalten.

Am Vorabend der Thronbesteigung beobachten Chrysalis, die Tochter von Königen, und Ryzel, Berater und Freund, aus hoher Warte, wie sich der Festsaal mit Gästen füllt. Ihr Vater, der Basilisk-König ist seit einem halben Jahr tot. Der Frieden im Königreich steht auf wackeligen Füssen. Nur ein starker Hochkönig kann diesen Frieden sichern. Denn das Land besteht aus drei Fürstentümern. Von dort sind mit eigenen Plänen die Regenten angereist. Chrysalis muss an diesem Abend, vor ihrem 21.Geburtstag und bei Vollmond die Hand auf den Thron legen. Dieser besteht aus einem Material von alter Macht. Chrysalis muss so beweisen, dass in ihr die alte Gabe der Könige wohnt. Genau hier sieht aber Ryzel, ihr Berater, das Problem. Seit der Kindheit von Chrysalis hat er nichts von dieser Veranlagung in der Königstochter entdeckt. Die Fürsten nun sind angereist, es gar nicht erst zum Versuch der Thronbesteigung kommen zu lassen. Mit Magie und verschlagenen Vorstössen versuchen sie die Thronbesteigung Chrysalis zu verhindern.

Mit Tochter der Könige hat Stephen R. Donaldson eine phantastische Kurzgeschichte mit emanzipatorischer Kraft hingelegt. Chrysalis, die junge Prinzessin, muss sich ohne jede Hoffnung auf Erfolg den drei angereisten Fürsten, dabei ist auch eine Fürstin, stellen. Auch Ryzel, ihr Berater, hat für den Fall das sie versagt, eigene Pläne. Mit Magie und höfischen Intrigen versuchen die Regenten das Spiel um den Thron zu gewinnen. Dabei hat Chrysalis Vater, der Basilsk-König, vorgesorgt. Er hat aus einem alten magischen Material einen Stab gefertigt, den er Ryzel, seinem Berater, anvertraut hat. Wohl darauf vertrauend, das der Stab in Ryzels Händen, zusammen mit dem Mut der Königstochter, wenn dieser Stab in ihren Händen seinen Auftrag erfüllt, die Inthronisation zu einem glücklichen Ende führen wird.

Tochter der Könige lässt somit die Hoffnungen einer jungen Thronanwärterin auf die geballte Kraft ausgekochter, ihr feindlich gesinnten Pläne, treffen. Chrysalis und Ryzel können nicht sicher sein, ob der Thron, in dem alte Macht wohnt, Chrysalis als Erbin akzeptiert. Aber soweit wollen es die drei Regenten nicht kommen lassen. Thornden aus Nabal hat schon seine Armee vor den Toren. Thone versuchts mit listigen Intrigen, und Damia, die Fürstin aus Lodan, lässt ihren Magier im Festsaal eine Drachenillusion erzeugen. Ausserdem sitzt sie im Bunde mit einem Aufständischen, Kodar dem Rebellen. Ausführlich nimmt Donaldson die Absichten der drei aufs Korn, und wie es Chrysalis schafft, ihnen zu widerstehen. In der Kurzgeschichte geht es weniger darum, wie in einem High Fantasy Plot, den verschiedenen Protagonisten im Alltag zu begegnen und ihnen auf ihren kriegerischen Wegen zu folgen. Es ist eben eine Kurzgeschichte und Donaldson beschränkt sich auf die Art und Weise, wie es Chrysalis ohne jegliche Hoffnung trotzdem auf den Thron schafft. Man kann die Geschichte mit einem Märchen vergleichen, das in seinen Grundzügen Lebensweiseiten, in diesem Fall wie es im Gerangel um einen Thron zu und her gehen kann, aufs Korn nimmt. Emanzipatorisch ist die Geschichte, weil Chrysalis in einer patriarchalischen Gesellschaft es wagt, ohne jegliche Hoffnung auf Erfolg als Thronerbin anzutreten. So spricht die Realität des Lebens gegen sie. Alles ist angerichtet zum grossen Fest. Dass es wie in einer märchenhaften Erzählung zu einem guten Ende kommt, dafür hat Stephen R. Donaldson gesorgt. Mit erzählerischer Kraft lässt er die vermeintlich starken Absichten der drei Landesfürsten an dem mutigen Glauben einer jungen Prinzessin scheitern. Sie besteigt den Thron und der Königsfrieden kann weiterdauern.

jh