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buchinterpretation: mateescus könig von wiedikon

Posted in buchinterpretationen on Juli 25th, 2019

Mike Mateescu/ Mateescu bei hello zürich/ Der König von Wiedikon c emons 2018/ softfax S.255

 

Zwinglistadt und die Knute der Linksaktivisten

Der Messias Jesus gab seinen Vertrauten einmal den Auftrag, in Jerusalem einen Raum für das Abendmahl zu finden. Zur Zeit der Reformation wurden Kirchen geräumt, um wieder Raum für das Eigentliche zu haben. Fern der Religion hat sich im postindustriellen Zürich das Wesen der Freiheit weiterentwickelt. Der Schriftsteller Mike Mateescu hat das Lebensgefühl der zürcherischen Metropole in seinem Kriminalroman „Der König von Wiedikon“ eingefangen.

 

Der Eventmanager und Partykönig Hans-Ueli „Hukki“ Zünd wird in einem besetzten ehemaligen Industrieareal tot aufgefunden. Die Ermittlungen der Stadtpolizei Zürich und der Detektivin Enitta führen in die Szene von Linksaktivisten. Im Dunkeln liegen die Absichten der Autonomen und machen die Stadt zu einem Irrgarten der Emotionen. Zürichs Bürger fühlen sich nicht mehr sicher. Was genau verbirgt sich hinter der Fassade des vermeintlichen Kulturraums? Was ist eigentlich das Vermächtnis des Partykönigs Zünd? Neben all den Fragen, die die Ermittlungen stellen, muss sich Enitta die Detektivin, noch mit der dunklen Vergangenheit ihrer Schwester Janita auseinandersetzen.

Ernst Sieber war Stadtoriginal und Obdachlosenpfarrer. In seinen Botschaften verwendete er oft einen Holzrahmen, in den er den Kopf stecken konnte. Dann nahm der den Rahmen und verwandelte ihn vor den Augen der Zuhörer in ein Kreuz. Der Rahmen stehe für die Zwänge in denen so manches Leben stecke, das Kreuz für die Freiheit.

Freiheit und Autonomität für ihren Kulturraum fordern in der Geschichte von Mike Mateescu die Linkschaoten in Zürich. Unbehelligt von Gesetz und Öffentlichkeit entwickelt sich ein alternativer Kulturraum. So weit so gut. Der Zweck heiligt aber nicht die Mittel und der Autor beschreibt einiges an krimineller Energie, mit der sich die Protagonisten zu Werke machen. So endet der Kampf in illegalen Demos. Gebäude werden in Mitleidenschaft gezogen, Menschen sterben. Selbst Hukki Zünd musste vor seinem Tod tief in die Trickkiste greifen, um sein Vermächtnis umzusetzen. Das seine Absichten nicht lupenrein waren, verleiht der Erzählung zusätzlich einen Schuss Anarchie.

Um ein freiheitliches Leben zu führen, hat sich auch Enitta von ihrer Informatiker Laufbahn distanziert. Sie lebt mit einem Velokurier zusammen und widmet sich mit Hingabe den Ermittlungen rund um den Mordfall von Ueli „Hukki“ Zünd.

Zürich ist der Ort der verschiedenen Stadtteile, der Ort einer überalterten Infrastruktur. Der Platz gewachsener Industriekultur, ein Sammelbecken für vom Staat gezeichnete Lebensläufe. Der Roman in seinem Wesen ein Aufschrei über das Anderssein in einer bürgerlichen Gesellschaft. Die Geschichte erlaubt einen Blick hinter autonome Fassaden, geschrieben von einem Kenner der Stadt Zürich der Gegenwart. Nicht unbedingt ein Hort für kriminologische Raffinessen, aber eine Tiefe an Szenenkenntnis. Ein Blick hinter die Kulissen der grössten Stadt der Schweiz. Eine urbane Offenbarung.

für das team fantaster: blogunkel

buchstyle mit mateescus könig von wiedikon

Posted in netart on Juli 25th, 2019

zwischen häusern, gassen und firmen

gedanken, absichten und taten

unter dächern, rampen und schirmen

ein entwurf des lebens in raten

Interpretation von Ph.Gurts Bündner Treibjagd

Posted in buchinterpretationen on Juli 10th, 2019

Philipp Gurt/ Gurt auf Wiki/ c Emons Verlag 2019/ Kriminalroman/ softfax S. 303

 

Tagwacht im Schweizer Berguniversum

Schon mehrere Geschichten hat  der im Bündnerland aufgewachsene Autor Philipp Gurt  veröffentlicht und liefert mit dem aktuellen Kriminalroman „Bündner Treibjagd“ eine packende Erzählung. Sie wickelt sich ab wie das Intro im Vorspann zu Star Wars und führt zu verbrecherischen Taten mitten in einem zeitlosen Berguniversum. Ausgangspunkt der Fahndung ist Chur, die Hauptperson Giulia de Medici, Ermittlerin der Kantonspolizei Graubünden.

Mitten in einer traumhaften Bergwelt, unberührt von menschlichen Absichten eröffnet Philipp Gurt eine Symphonie des Grauens. Ein Anwalt – er trägt Spuren der Gewalt am Körper –  wird in der majestätischen Hochebene Greina aufgegriffen. Im Bündner Nationalpark ist eine ehemalige Sportlerin auf der Flucht. Die beiden Opfer zeigen Gemeinsamkeiten mit  nicht aufgedeckten Verbrechen der Vergangenheit. Ein Fall für Giulia de Medici, die Ermittlerin der Kapo Graubünden, und für Sigron, den bulligen aber menschenfreundlichen Polizisten. Ein Fall für ein Polizeigespann, das bereit ist Überstunden zu machen und auch am Feierabend zu schnüffeln.

Dabei sind es drei separate verbrecherische Geschichten, die Philipp Gurt in Bündner Treibjagd rund um die genannten Opfer aufgleist. Zum einen erzählt der Autor das Einzelschicksal eines Einsiedlers im Nationalpark. Geschickt verwoben in das ganze Geschehen rund um die Ermittlungen von Giulia de Medici. Zum andern ist es die zerstörte sportliche Zukunft einer Biathletin, die zur Jagd auf verbrecherische Taten laden. Und zuletzt führen die Spuren ins Darknet. Zu menschlichen Abgründen am Rande des erträglichen.

Der Autor ist ein Eingeborener und hat es verstanden, die Weite und Abgeschiedenheit seiner Heimat mit den kriminellen Absichten seiner Akteure zu verbinden. Das Glühen der Matten, das Rauschen der Bäche, die Majestät der Gipfel- der Hintergrund um nicht lupenreine Absichten zu verbergen. Ein Universum um Spuren ins Nichts laufen zu lassen. Die Abgeschiedenheit, in die sich Menschen vor dem Gesetz flüchten.

Und so muss dann auch Giulia de Medici, um die entscheidende Erkenntnis zu gewinnen, sich immer wieder aufmachen. Die Orte des Geschehens aufsuchen. Dort unterwegs sein, wo die Täter hoffen ihr Tun verwischen zu können. Über lange Stunden zu Fuss die Wege abgehen, auf und neben den offiziellen Routen. Das ist aber alles kein Problem für eine Ermittlerin ihres Formats. Gulia kennt seit der Fallübernahme nur ein Ziel: Licht ins Dunkel zu bringen. Befreiung für die zu Unrecht beschuldigten, Haft für die eigentlichen Täter!

Gezeichnet: gedankenverbrecher

buchstyle mit philipp gurts bündner treibjagd

Posted in netart on Juli 4th, 2019

gurts treibjagd auf der autorenseite

licht in bünden auf kriminale taten

durch täler höhen floren schreite

zu beenden üble saaten