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Minibargeschichten! Erlebt von psychodoc!

Minibargeschichten: Teil 1, Zu Befehl!

Es ereignete sich an einem ordinären Tag. Einer jener Tage, die man am liebsten ohne grösseren, persönlichen Herausforderungen verbringen will. Eine Frau forderte mich auf, ihrem extrem nötigen Wunsch nachzukommen. Ein Wort von ihr genügte und meine persönliche Einstellung erfuhr wieder mal eine gründliche Wendung. Und ich war mir sicher, diese Person musste in einem andern Leben enorm wichtig sein. Was sie sagte, fühlte sich eigentlich wie die Krallen eines zweimonatigen Kätzchens auf blanker Haut an.

Ich stand auf rollendem Boden. Blickte das Sitzreihencouloir hinab, in dessen Wagen ich gedachte die Minibar an den Leuten vorbei zu schieben. Eine etwas brüchige Stimme ertönte wie aus dem Nichts hinter mir:“Äxgüsi!“ Ich sah mich um und blickte in die Augen einer etwas älteren Dame. Ergrautes wasserstoffblond und Sonntagsausflug Parfüm. Ja gleich, dachte ich. Denn es war klar, die Dame wollte passieren. Nichts bestellen, oder gar plaudern. Vorbei wollte sie, und zwar plötzlich! Und ohne Kompromisse. Wie sollte das aber so gleich geschehen? Inmitten eines Zugwagens dessen Durchgang nur für die Breite einer Person gebaut war?

Ja, äusserlich schien die Dame ruhig, entspannt. Aber innerlich, das wusste, nein spürte ich, glich ihr Wesen einem streng auf Hochglanz polierten Haushalt. Kein Zuviel, nichts Unnötiges und alles klar durchdacht und geregelt. Nichts chaotisches, planloses! Und das seit Jahrzehnten. Geschickt verbarg das Äussere eine zweckbestimmte Haltung. Auweija! Das eine Wort „Äxgüsi“, hatte mir tüchtig einen Tritt verpasst. Ein messerscharfer Auftritt, ohne dass es ihr wahrscheinlich bewusst war. Ich, der arme Verkäufer in Diensten der Minibargesellschaft Elvetino, stand zwischen ihr und ihrer Freiheit. Sie wollte zur Toilette, und zwar jetzt!

Hätte sie einfach „Weg da!“ gerufen, hätten mir Wort, äussere Erscheinung und innere Haltung unmissverständlich und stimmig den Tarif erklärt. So aber gaben die Persönlichkeitsschichten der Dame ein paradoxes Bild ab. Leicht verstimmt wich ich dieser höheren Gewalt, zog die Minibar zur Aussteigeplattform und liess die Dame passieren. Dann zurück an den Arbeitsplatz. -Kaffee, Cola, Sandwich, Bier-

aus psychodoc`s streiferleben

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